Wie können wir ein Arbeitsumfeld schaffen, das von Respekt und Wertschätzung geprägt ist? Wie erleben Basisarbeitende Respekt direkt vor Ort beim Kunden? Welche Rolle spielt gesellschaftlicher Wandel im Hinblick auf respektvolle Basisarbeit? Unsere vierteilige Dialogreihe lädt Sie ein, genau diese Frage zu diskutieren und praxisnahe Lösungen zu entdecken. Im Fokus stehen die Herausforderungen und Chancen in der Basisarbeit.

Basisarbeitende in der Interaktionsarbeit stehen vor besonderen Herausforderungen: Zum einen erfahren sie die Ausprägungen von Respekt durch ihren Arbeitgeber, zum anderen erleben sie Respekt – oder das Fehlen dessen – direkt beim Einsatzort des Kunden. Damit sind Basisarbeitende in einem Spannungsfeld aus verschiedenen Ebenen eingebunden dessen Wechselwirkungen wir in dem ersten Dialog näher beleuchten und gemeinsam diskutieren möchten.
1) Wertschätzung beginnt mit Sichtbarkeit.
Menschen in der Basisarbeit erbringen täglich essenzielle Arbeit – Ihre Arbeit verdient echte Wertschätzung und Aufmerksamkeit.
2) Arbeitsorganisation ist ein Zeichen von Respekt.
Klare Arbeitsabläufe, realistische Zeitvorgaben und Gespräche auf Augenhöhe tragen dazu bei, Respekt im Arbeitsalltag erlebbar zu machen.
3) Mitgestaltung stärkt Identifikation.
Wer in die Gestaltung von Arbeitsabläufen eingebunden wird, fühlt sich wertgeschätzt.
4) Sichere Interaktion ist entscheidend.
Gefährdungsbeurteilungen sollten auch die Interaktion mit Kund*innen einbeziehen und Beschäftigte sollten gezielt auf den Umgang mit Kund*innen und externen Personen vorbereitet werden.
5) Psychische Belastung im Kundenkontakt ernst nehmen.
Gefährdungsbeurteilungen müssen auch die psychischen Belastungen erfassen, denen Beschäftigte mit direktem Kundenkontakt ausgesetzt sind.

Basisarbeitende sind das Fundament von Organisationen – und genau hier muss Respekt beginnen. Doch wie erleben sie Organisationalen Respekt? Im zweiten Dialog diskutieren wir, wie Unternehmen Organisationalen Respekt speziell für Basisarbeitende fördern können.
️1) Organisationaler Respekt braucht Strukturen.
Respekt ist mehr als ein Wort. Er muss sichtbar im Arbeitsalltag verankert sein – z. B. durch gerechte Arbeitsgestaltung, faire Führung, respektvolle Kommunikation und durchdachte On- und Offboarding-Prozesse.
2) Dialog statt Distanz: Wer zuhört, schafft Vertrauen.
Respektvolle Arbeitsbeziehungen entstehen durch Dialog – nicht durch Anweisung. Die Diskussion zeigte: Wo Menschen in Basisarbeit ernst genommen und einbezogen werden – sei es durch direkte Kommunikation, Mitbestimmung oder transparente Informationswege – entsteht Zugehörigkeit.
3) Gute Unternehmenskultur beginnt bei den Betriebsparteien.
Wo Betriebsrat und Unternehmensleitung konstruktiv zusammenarbeiten, entstehen Räume für echte Wertschätzung.
4) Gesundheit und Respekt sind eng verbunden – im Positiven wie im Negativen.
Basisarbeit ist oft körperlich fordernd – aber auch psychosoziale Belastungen wie Termin- und Leistungsdruck nehmen spürbar zu. Wer lange unter solchen Bedingungen arbeitet, entwickelt häufiger gesundheitliche Beeinträchtigungen. Gleichzeitig kann Basisarbeit für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ein stabilisierendes Arbeitsumfeld sein – wenn die Bedingungen stimmen.
5) Vielfalt – in Betriebsräten, Teams, Führung.
Ein respektvoller Umgang setzt voraus, dass Vielfalt nicht nur geduldet, sondern aktiv gestaltet wird: durch mehrsprachige Kommunikation, inklusive Weiterbildungsangebote und divers besetzte Betriebsräte.

Sicherheit am Arbeitsplatz ist mehr als nur eine Pflicht – sie ist ein Ausdruck von Respekt gegenüber Basisarbeitenden. Eine starke Arbeitsschutzkultur signalisiert Wertschätzung und zeigt, dass die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten an erster Stelle stehen. Aber wird dies auch so von Basisarbeitenden wahrgenommen? Dieser Dialog beleuchtet, wie Unternehmen den Arbeitsschutz als integralen Bestandteil einer respektvollen Unternehmenskultur für Basisarbeitende gestalten können.
1) Arbeitsschutz als Grundvoraussetzung
Beschäftigte in der Basisarbeit betrachten Arbeitsschutz als gesetzliche Pflicht des Arbeitgebers. Sie sind Grundvoraussetzung für die Arbeit.
2) Aber: Respektvolle Unternehmenskultur fördert die Themen Sicherheit und Gesundheit
In Unternehmen mit einer respektvollen Unternehmenskultur funktioniert Arbeitsschutz und BGM besser.
3) Zielgruppengerechte Kommunikation ist entscheidend
Viele Basisarbeitende haben unterschiedliche sprachliche oder kulturelle Voraussetzungen. Arbeitsschutz muss für Basisarbeitende verständlich vermittelt werden, dabei geht es nicht nur darum zu informieren, sondern auch Sinn zu stiften.
4) Beteiligung der Mitarbeitenden
Wenn Basisarbeitende aktiv eingebunden werden – etwa durch Workshops oder Befragungen – steigt die Bereitschaft, sich mit Arbeitsschutz auseinanderzusetzen. Zuhören und ernst nehmen sind dafür entscheidend.
5) Führungskräfte müssen Vorbild für Arbeitsschutz sein
Führungskräfte prägen die Wahrnehmung von Arbeitsschutz maßgeblich – durch ihr Verhalten, ihre Haltung und ihre Kommunikation. Es braucht ein gemeinsames Commitment über alle Hierarchieebenen hinweg – ein Leitbild, wie Arbeitsschutz im Unternehmen gelebt werden soll.

Wie wird sich Basisarbeit in der Zukunft entwickeln? In einer Welt, die sich rasant verändert, steht die Basisarbeit vor neuen Herausforderungen, aber auch vor spannenden Chancen. Welche Herausforderungen gilt es zu meistern, und welche Rolle kann Organisationaler Respekt dabei spielen? Der letzte Dialog widmet sich der Zukunft der Basisarbeit und zeigt auf, wie Respekt und Anerkennung für diese Tätigkeit weiter gefördert werden können.
1) Basisarbeit bleibt – aber sie verändert sich
Die Vorstellung, dass Basisarbeit durch Automatisierung und Digitalisierung vollständig verschwindet, ist ein Mythos. Basisarbeit wird es immer geben, aber sie wird sich in ihrer Form und ihren Anforderungen verändern. Wer offen für Neues ist, hat langfristig eine stabile Perspektive – unabhängig davon, wie sich die Arbeitswelt verändert.
2) Qualifizierung eröffnet Chancen – aber nicht für alle
Qualifizierung eröffnet Chancen für Basisarbeitende, doch nur etwa 40 % haben Zugang zu Weiterbildungsangeboten. Erfolgsfaktoren sind niedrigschwellige Programme während der Arbeitszeit, kostenfreie Teilnahme sowie Sprachförderung ist oft entscheidend. Wichtig: Nicht alle wollen oder können sich weiterqualifizieren. Viele sind stolz auf ihre Arbeit und möchten in ihrem Arbeitsbereich bleiben. Respekt bedeutet, diese Entscheidung anzuerkennen und menschenwürdige und gesunde Arbeitsbedingungen zu schaffen.
3) Wertschätzung ist mehrdimensional
Respekt für Basisarbeit zeigt sich nicht nur in Lohn und Tarifverträgen, sondern auch in Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz, fairer Behandlung durch Vorgesetzte und Kund:innen. Denn bleibt finanzielle Sicherheit zentral.
4) Respekt hängt (bisher) von der Sichtbarkeit ab
Dort, wo Basisarbeitende die Mehrheit im Betrieb stellen, ist die Wertschätzung deutlich höher. In Unternehmen, in denen sie nur eine kleine Gruppe sind, entsteht oft das Gefühl „wir hier unten – die da oben“. Das zeigt: Respekt ist nicht selbstverständlich, sondern hängt auch von Strukturen und Sichtbarkeit ab. Je stärker Basisarbeit als zentraler Teil der Wertschöpfung wahrgenommen wird, desto größer ist die Anerkennung. Aber: Jede*r Basisarbeiter*in verdient Respekt – unabhängig davon, wie groß die Gruppe der Basisarbeitenden ist oder wie viel Wertschöpfung sie bringen.
5) Gesellschaftliche und politische Verantwortung
Basisarbeit ist nicht nur wirtschaftlich unverzichtbar, sondern auch politisch relevant. Je sicherer und selbstbestimmter sich Basisarbeitende fühlen, desto stärker ist ihr Vertrauen in Demokratie und politische Institutionen und Akteure sowie ihre Offenheit gegenüber Transformationen wie Digitalisierung und Klimaschutz.
Das bedeutet: Die materielle und immaterielle Aufwertung von Basisarbeit ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine demokratiepolitische Aufgabe. Mehr Mitbestimmung, Solidarität und Sicherheit stärken nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Stabilität unserer Gesellschaft.
