Wenn Jung und Alt gemeinsam kreativ werden

Was passiert, wenn Studierende, Unternehmensvertreterinnen und Unternehmensvertreter sowie unterschiedliche Generationen zusammenkommen, um Zukunft zu gestalten? Beim Innocamp „Generationen verbinden. Zukunft gestalten.“ auf der FUTUROMUNDO wurde genau das erlebbar, mit beeindruckenden Ergebnissen trotz hochsommerlicher Temperaturen von über 30 Grad.

Intergenerationelle Zusammenarbeit als Innovationsmotor

Am 26. Juni 2026 arbeiteten im Haus der Wirtschaft Stuttgart altersgemischten Tandems aus Unternehmen und Studierende der Universität Hohenheim gemeinsam an konkreten Lösungsansätzen für die Arbeitswelt von morgen. Im Fokus stand die Frage, wie Zusammenarbeit zwischen Generationen gelingen kann und welche Potenziale darin liegen. Mithilfe von Design-Thinking-Methoden entwickelten die Teilnehmenden innerhalb eines strukturierten Workshop-Formats neue Perspektiven, innovative Ideen und direkt anwendbare Impulse für die Praxis.

Vier Themen, viele Perspektiven

In vier Gruppen entstanden konkrete Ansätze zu zentralen Herausforderungen des demografischen Wandels:


1.Reverse Mentoring stärken

Eine Gruppe beschäftigte sich mit der Frage, wie Perspektivwechsel im Arbeitsalltag gelingen können. Im Mittelpunkt stand Reverse Mentoring als Instrument, um Wissen und Erfahrungen zwischen Generationen gezielt auszutauschen.

Konkret erarbeitet wurde

  • wie unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungswerte gezielt zusammengebracht werden können
  • welche Vorteile für beide Seiten entstehen, etwa Wissensaufbau, Karriereentwicklung und Zugang zu Netzwerken
  • dass Reverse Mentoring auch einen direkten Beitrag zur Mitarbeiterbindung leisten kann

Besonders greifbar wurde die Idee in den Umsetzungsüberlegungen:

  • Matching-Prozesse sollen sowohl algorithmisch unterstützt als auch individuell begleitet werden
  • eine klare Rollenbeschreibung für Mentor*in und Mentee ist notwendig
  • Trainings und Leitfäden helfen, die Zusammenarbeit von Anfang an zu strukturieren

Auch Herausforderungen wurden offen benannt:

  • Wie gelingt echtes Lernen auf Augenhöhe statt symbolischer Rollenspiele
  • Wie schafft man Vertrauen zwischen den Beteiligten
  • Wie wird das Format langfristig in die Organisation integriert

Die Kombination aus Nutzenargumentation und konkreten Umsetzungsschritten zeigt, dass die Gruppe Reverse Mentoring nicht als Trendthema verstanden hat, sondern als ernstzunehmendes Instrument für organisationale Entwicklung.    


2. „Über den Tassenrand hinaus“

Die Gruppe setzte bei einer zentralen Hürde intergenerationeller Zusammenarbeit an: fehlende Begegnung im Alltag.

Die entwickelte Lösung ist bewusst einfach gehalten: Mitarbeitende unterschiedlicher Generationen treffen sich regelmäßig zu kurzen, informellen Kaffeeformaten. Entscheidend ist dabei die kluge Gestaltung im Hintergrund.

Zentrale Elemente sind

  • ein Matching-System, das spontane oder gezielte Begegnungen ermöglicht
  • einfache digitale Unterstützung zur Organisation der Treffen
  • regelmäßige Wiederholung, um Verlässlichkeit und Routine zu schaffen 

Gleichzeitig bleibt der Austausch selbst offen gestaltet. Ohne feste Agenda entsteht Raum für Gespräche auf Augenhöhe, wodurch Barrieren abgebaut werden.   Das Format wurde darüber hinaus als strategischer Einstiegspunkt gedacht: Es stärkt Vertrauen, fördert gegenseitiges Verständnis und kann langfristig die Grundlage für weiterführende Formate wie Mentoring oder gemeinsame Projekte bilden. 


3. Ageismus sichtbar machen

Die dritte Gruppe entwickelte einen Ansatz, um Altersstereotype gezielt sichtbar zu machen und organisationale Lernprozesse anzustoßen. Im Zentrum stand ein modular aufgebauter Awareness-Workshop, der über reine Wissensvermittlung hinausgeht. 

Konkret wurde erarbeitet

  • wie Führungskräfte als zentrale Multiplikator*innen gewonnen werden können und das Thema aktiv vorleben
  • wie bestehende Altersbilder reflektiert und im Arbeitskontext greifbar gemacht werden können
  • wie Wissenstransfer zwischen Generationen gezielt gefördert wird, um dem Verlust von Erfahrungswissen entgegenzuwirken 

Darüber hinaus ging es um die strukturelle Verankerung:

  • Workshops sollen nicht isoliert stattfinden, sondern in Personal- und Führungsentwicklung integriert werden
  • Reflexionsformate und Follow-ups sichern nachhaltige Wirkung
  • konkrete Anwendungsfälle aus dem Arbeitsalltag erhöhen die Anschlussfähigkeit 

Die Gruppe verstand Ageismus damit nicht als Randthema, sondern als zentralen Einflussfaktor für Zusammenarbeit, Leistung und Kultur. Sensibilisierung wird hier als strategischer Hebel für funktionierende Teams und langfristige Mitarbeitendenbindung gedacht. 


4. Mut zur Veränderung fördern

Die vierte Gruppe weitete den Blick und nahm Alters- und Rollenbilder im größeren Kontext der Unternehmenskultur in den Fokus. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass generationenübergreifende Zusammenarbeit häufig weniger an fehlenden Tools als an tief verankerten Denkmustern scheitert.

Zentrale Ansatzpunkte waren

  • die bewusste Reflexion eigener Altersbilder und impliziter Annahmen
  • die Auseinandersetzung mit Rollenverständnissen in Teams und Führung
  • die Frage, wie Lernbereitschaft und Offenheit organisationell gefördert werden können 

Dabei wurde deutlich, dass Veränderung aktiv gestaltet werden muss:

  • Räume für Dialog und Austausch sind notwendig, um neue Perspektiven zu ermöglichen
  • Fehlerkultur und Experimentierbereitschaft müssen gezielt gestärkt werden
  • Führung spielt eine Schlüsselrolle, um Veränderung vorzuleben und zu legitimieren 

Der Leitgedanke „Courage for Change“ bringt den Kern auf den Punkt: Nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch die bewusste Weiterentwicklung von Haltung, Kultur und Zusammenarbeit. 


Austausch, Praxisnähe und konkrete Ergebnisse 

Das Besondere am Innocamp war die enge Verzahnung von Theorie und Praxis: Die Teilnehmenden arbeiteten nicht nur an Ideen, sondern entwickelten Prototypen, die abschließend präsentiert und gemeinsam reflektiert wurden.  

Die Kombination aus unterschiedlichen Perspektiven, offener Arbeitsatmosphäre und klarer Methodenstruktur führte zu intensiven Diskussionen, neuen Denkanstößen und konkreten Lösungsansätzen für Unternehmen. Die Vielfalt der Ideen macht sichtbar, dass es nicht die eine Lösung gibt, sondern viele Ansatzpunkte, die Organisationen direkt aufgreifen können. 

Starkes Engagement trotz herausfordernder Bedingungen 

Trotz der extremen Hitze war die Beteiligung hoch und das Feedback der Teilnehmenden durchweg positiv. Besonders hervorgehoben wurden die offene Zusammenarbeit, die Möglichkeit zum Perspektivwechsel sowie die direkte Anwendbarkeit der erarbeiteten Ideen.  

Unser Fazit 

Intergenerationelle Formate wie das Innocamp zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in der Zusammenarbeit von Jung und Alt liegt. Sie schaffen Raum für neue Perspektiven, fördern gegenseitiges Verständnis und liefern konkrete Impulse für die Praxis. Solche Formate braucht es mehr in Unternehmen, Institutionen und auch in der Politik. 

Das Innocamp war Teil der Reihe „Generationen verbinden. Zukunft gestalten.“ und wurde von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) gemeinsam mit dem Demographie Netzwerk e. V. (ddn) organisiert, unterstützt durch die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und moderiert von GOKA. 

Unser Dank gilt allen Teilnehmenden, Partnern und Unterstützenden, die diesen Tag mit so viel Engagement, Offenheit und Kreativität gestaltet haben.