Die neue gutachterliche Stellungnahme von Prof. Dr. Felipe Temming im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hat die rechtlichen Rahmenbedingungen und Hürden für die Nutzung dies Potenzials untersucht. Dabei wird deutlich, dass starre Altersgrenzen, unflexible Modelle wie die Altersteilzeit und die eingeschränkte Nutzung von Lebensarbeitszeitkonten heute verhindern, dass ältere Beschäftigte ihr Potenzial einbringen können. Das DIA fordert daher einen modernen Rechtsrahmen, der längeres Arbeiten erleichtert und echte Wahlfreiheit schafft – für Beschäftigte wie für Unternehmen.
Zu den Ergebnissen des Gutachtens haben wir Peter Schwark, Sprecher des DIA, drei Fragen gestellt:
Welche Hürden verhindern aktuell, dass Menschen über die Regelaltersgrenze hinaus flexibel weiterarbeiten können?
Wir sehen nach wie vor erhebliche rechtliche Bremsklötze, die verhindern, dass Menschen über die Regelaltersgrenze hinaus flexibel weiterarbeiten können. Vor allem die starre Regelaltersgrenze wirkt wie eine Altersguillotine: Viele Arbeitsverhältnisse enden automatisch, obwohl Beschäftigte und Arbeitgeber gerne weiter zusammenarbeiten würden. Dazu kommen die Einschränkungen bei Wertguthaben‑ und Lebensarbeitszeitkonten, die nach der Regelaltersgrenze zwangsweise aufgelöst werden – ein massiver Hemmschuh für gleitende Übergänge. Und auch das alte Blockmodell der Altersteilzeit führt eher in den früheren Ruhestand, statt flexible Modelle zu fördern.
Was ist aus Ihrer Sicht der größte Irrtum in der Debatte über längeres Arbeiten?
Der größte Irrtum ist die Vorstellung, ältere Beschäftigte wollten gar nicht länger arbeiten. Das Gegenteil ist der Fall: Viele über 60 würden gerne weiterarbeiten – aber eben nicht zwingend in Vollzeit und nicht unter starren Bedingungen. Wir dürfen uns dieses enorme Arbeits‑ und Erfahrungswissen nicht entgehen lassen, gerade angesichts des Fachkräftemangels.
Wie könnte ein idealer Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhesstand aussehen?
Ein guter Übergang in den Ruhestand bedeutet vor allem eines: Freiheit und Rechtssicherheit. Wir brauchen klare Regeln, die Weiterarbeit über die Regelaltersgrenze hinaus problemlos ermöglichen. Wertguthaben und Arbeitszeitkonten müssen wieder flexibel nutzbar sein. Und wir brauchen modernere Teilzeit‑ und Übergangsmodelle, die sowohl die Bedürfnisse älterer Beschäftigter als auch die Anforderungen der Unternehmen berücksichtigen. Flexible Übergänge sind ein Gewinn für alle – für Beschäftigte, Betriebe und die Rentenversicherung.
Das vollständige Gutachten ist hier zu finden.