Zweiter Demografiegipfel: Chance, nicht Last

04.06.13

„Ich finde nach wie vor unser Motto „Jedes Alter zählt“ ein gutes Motto, weil es den demographischen Wandel nicht als Last bezeichnet, sondern auch die Chancen, die darin liegen, zum Ausdruck kommen“, sagt Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zu Beginn des zweiten Demografiegipfels. Die Kanzlerin brachte damit einen Wahrnehmungswechsel des demographischen Wandels zum Ausdruck, der diesen als Chance, nicht als Last begreift. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Berechnungen zufolge wird Deutschland bis 2060 ein Fünftel der Bevölkerung verlieren. Jeder Dritte wird dann 65 Jahre oder älter sein. Der demographische Wandel hat gravierende Folgen für den Arbeitsmarkt und die sozialen Sicherungssysteme. 

Demographie ist ressortübergreifend Chefsache
Regierungsvertreter diskutierten mit geladenen Gästen aus Ländern und Kommunen, aus Wirtschaft und Sozialverbänden die Weichen für die Zukunft. Neben dem Vorstandsvorsitzenden Rudolf Kast war ddn mit zahlreichen Vorständen auf dem Gipfel vertreten. Neun Arbeitsgruppen, die beim ersten Demografiegipfel eingerichtet wurden, stellten die demographischen Herausforderungen vor und diskutierten Lösungswege sowie beispielhafte Projekte. ddn brachte seine Expertise insbesondere in der Arbeitsgruppe "Motiviert, qualifiziert und gesund arbeiten" mit ein. „Demographie ist zur Chefsache geworden und wird inzwischen als ressortübergreifende Querschnittsaufgabe verstanden“ zog ddn Vorstandsvorsitzender Rudolf Kast eine positive Bilanz. Denn die Kanzlerin brachte mit sieben Ministerinnen und Ministern ihr halbes Kabinett mit zum Gipfel. „Auf lange Sicht wird dieses Verständnis zur Bündelung der Aufgaben in einem Demographieministerium führen“ ist Kast überzeugt.

Deutlich konkreter und klare Ziele
Auch wenn in Berlin eher Absichtserklärungen als konkrete Handlungsempfehlungen und Lösungen dominierten: „Der zweite Gipfel war schon deutlich konkreter als der erste“, so das Fazit von ddn Vorstand Dr. Alexander Spermann. „Das belegen die auf dem Gipfel diskutierten Projekte“, führt Dr. Spermann weiter aus. Beispielsweise der Modellversuch zu monetären Anreizen bei der Nachqualifizierung, die Forderung, Langzeitkonten für KMUs attraktiv zu machen oder etwa die Idee vom „Unternehmensservice Demografie“. Darüber hinaus formulierte der Gipfel klare Ziele. Der Zusammenhalt der Gesellschaft müsse gewahrt, die Gestaltung des eigenen Lebensentwurfs auch künftig möglich sein. Gleichzeitig soll der Wohlstand der Gesellschaft weiter vermehrt oder zumindest gehalten werden. 

Zuwanderung und eigene Potentiale
Einig waren sich die Gipfelteilnehmer darin, dass Zuwanderung erleichtert und die Erwerbsquote von Frauen erhöht werden muss. Ein Anspruch auf Vollbeschäftigung, um Frauen nicht dauerhaft in Teilzeit zu belassen, sei da die richtige Lösung. Auch an der stetigen Erhöhung der Lebensarbeitszeit hielt die Regierung fest. „An einer längeren Lebensarbeitszeit und einer Entlastung der umlagefinanzierten sozialen Sicherungssysteme führt kein Weg vorbei. Nur so können wir unseren Sozialstaat zukunftsfest machen und eine Überlastung der jungen Generation vermeiden“, betonte der Generalsekretär des Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger.

 

 

Fazit: Mit dem zweiten Demografiegipfel ist die Bundesregierung ein Stück weiter auf dem Weg vorangekommen, dieses für Deutschland immer wichtiger werdende Thema zu strukturieren und Wege zu finden, die Chancen, die der demographische Wandel bietet, zu nutzen. Der Gipfel setzt dafür einen wichtigen Impuls. Unternehmen, Kommunen und auch Arbeitnehmer müssen diesen Impuls aufnehmen, das Thema in die Regionen tragen und vor Ort gemeinsam Lösungen entwickeln, diese gesellschaftliche Veränderung zu bewältigen.