Zukunftsthema Rente! Eine wichtige Aufgabe für die nächste Regierung

21.09.21

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Rund zwei Drittel der Deutschen halten "eine tragfähige Rentenreform, die auch künftig für sichere Renten sorgt, ohne die Jüngeren finanziell zu überfordern" für sehr wichtig. Dies ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Forsa jüngst. Denn obwohl die Rente im Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle spielte, ist sie eines der dringendsten Themen in der Bundesrepublik. Beim Thema Rente geht es um Generationengerechtigkeit, die Zukunft des Sozialsystems und den individuellen Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand – und es gibt noch viele weitere offene Fragen.  

Die Babyboomer gehen in Rente – und dann?  

In diesem Jahrzehnt werden die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten „Babyboomer-Generation“ in den Ruhestand übergehen. Dieser Trend könnte mit voller Wucht den Sozialstaat und den Arbeitsmarkt treffen, wenn keine Vorkehrungen getroffen werden. Seit 1991 ist der Anteil der Menschen, die 65 Jahre oder älter sind von 15 auf 22 Prozent im Jahr 2019 gestiegen. Expert*innen gehen davon aus, dass in Zukunft nahezu jede dritte Person älter als 65 sein könnte.  

Mit einem wachsenden Anteil von Älteren stellt sich die Frage der Rentenfinanzierung. Bereits jetzt gibt es Stimmen, die nach einem höheren Renteneintrittsalter und mehr Einwanderung rufen. Damit soll mehr Generationengerechtigkeit hergestellt werden, sodass die Jüngeren nicht unter einer erdrückenden Last von Sozialbeiträgen mit dem Ausblick einer niedrigen Rentenquote resignieren.  

Doch die kommende Verrentungswelle ist nicht nur eine Frage der Generationengerechtigkeit und der Finanzierung des Sozialstaates, sondern auch eine massive Herausforderung für den Arbeitsmarkt. Insbesondere der öffentliche Sektor könnte davon getroffen werden. Eine McKinsey-Prognose geht davon aus, dass im öffentlichen Dienst bis 2030 730.000 Fachkräfte fehlen könnten. Manche Städte merken bereits jetzt die Herausforderungen. Einer Recherche des Tagesspiegels zufolge werden in einigen Verwaltungen wie der Polizeiakademie und der Sportverwaltung über die Hälfte der Beschäftigten bis 2029 in Rente gehen.  

Modelle aus dem Ausland zeigen wie die Rentenfinanzierung modernisiert werden kann 

Dass die Frage der Rentenfinanzierung keine Sackgasse ist, zeigt ein Blick ins Ausland. Von der norwegischen Aktienrente bis zur niederländischen „Cappuccino-Rente“ gibt es eine Vielzahl von Beispielen für eine generationenübergreifende Sicherung der Renten.  

Bei unseren niederländischen Nachbar*innen können Menschen auf bis zu 98 Prozent des Bruttogehalts für ihre Rente hoffen. Sie setzt sich aus einer staatlichen Grundrente (bis zu 70 Prozent des Mindestlohns), einer Betriebsrente sowie der privaten Altersvorsorge zusammen. Für Beamte gibt es zudem keine steuerfinanzierte Pension, sie zahlen wie alle anderen Berufsstände in die Rentenkasse ein. Die Rente ist wie ein Cappuccino aufgebaut: Die Grundrente stellt die Kaffee-Grundlage dar, die betriebliche Rente ist die Milchcreme obendrauf und verfeinert wird das Ganze mit Schokostreuseln aus der privaten Altersvorsorge. Eine Besonderheit dabei: Die Arbeitgeber*innen zahlen nichts für die Rente.  

Auch in Schweden kann sich die Rente aus einer steuerfinanzierten Grundrente, der betrieblichen Altersvorsorge, der privaten Vorsorge sowie der beitragsfinanzierten staatlichen Alterssicherung zusammensetzen. In Österreich hingegen ist die Finanzierung der Rente dadurch stabiler, dass Beamte sowie Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen. Norwegen generiert dafür einen Teil der Rentenbezüge durch Investitionen am Kapitalmarkt.  

Diese Modelle zeigen, dass in puncto Finanzierung Spielraum besteht. Alle europäischen Länder stehen schließlich vor derselben demografischen Herausforderung, die auch Deutschland meistern muss. Doch sie haben mit politischen Instrumenten und der Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung Wege gefunden, wie das Rentensystem nachhaltig finanzierbar sein kann.  

Rente und Fachkräftemangel gehen einher – doch es gibt Wege aus den Personalengpässen 

Nicht nur die Finanzierung der Rente ist eine tiefgreifende Herausforderung. Auch der Effekt durch demografischen Wandel und Verrentungswelle auf den Arbeitsmarkt ist einschneidend. Viele Unternehmen suchen intensiv nach Fachkräften, ältere Beschäftigte hingegen befinden sich nicht selten in einer beruflichen Sackgasse, weil sie und ihre Fähigkeiten als „zu alt“ eingestuft werden.  

Einerseits fehlt es an Sensibilität innerhalb von Unternehmen, dass ältere Beschäftigte eine wertvolle Ressource sein können. Sie vereinen langjährige Erfahrung und eine Vielzahl von Blickwinkeln. Allerdings fehlt es oft an Strategien in der unternehmensinternen Personalpolitik, um ältere Kräfte zu finden, zu integrieren und bis zum Übergang in den Ruhestand samt Wissenstransfer zu sichern.  

Die Demografie-Lots*innen-Ausbildung des Demographie Netzwerkes setzt an diesem Punkt an und versucht praxisnahe Instrumente zu vermitteln, um eine generationengerechte und altersdiverse Personalpolitik zu ermöglichen.  

Jedoch spielen nicht nur Personalentscheidungen in Unternehmen eine essenzielle Rolle für den Arbeitsmarkt, sondern auch innovative Erwachsenenbildung. Weiterbildungen und Umschulungen stellen für Menschen, die sich beruflich verändern wollen/müssen eine finanzielle und praktische Herausforderung dar. Die Risiken sind für viele Menschen zu hoch. An dieser Stelle ist politisches Handeln auf Bundesebene gefragt. Die nächste Regierung muss Antworten für die Frage finden, wie moderne Erwerbsbiografien in einer dynamischen und sich schnell ändernden Arbeitswelt aussehen können und welche Angebote es braucht, um Menschen einen guten Zugang zu Weiterbildung und Arbeit zu ermöglichen. 

Eine der wichtigsten Aufgaben der Bundesregierung: Rentenreform! 

Es schlägt fünf vor zwölf. Menschen haben Angst vor Altersarmut, der Arbeitsmarkt braucht Arbeitskräfte – selbst, wenn diese wenige Jahre vor der Rente stehen. Während der Ära von Kanzlerin Angela Merkel hat sich in puncto Rente nur wenig getan – wohlmöglich zu wenig. Die Herausforderungen sind klar. Die Ideen für die Lösungen in Zusammenhang mit einer alternden Gesellschaft sind auf dem Tisch. Unabhängig davon welche Parteien künftig das Land führen werden, es ist Zeit eine neue Zukunftsvision für Beschäftigte, die junge Generation und Arbeitgeber*innen zu entwickeln!  

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