Zensus 2011: Wer sind wir und wenn ja, wie viele?

05.06.13

Vor zwei Jahren haben die Statistiker Einwohner in Deutschland gezählt und dafür an etliche Türen geklopft: Die Ergebnisse der ersten Volkszählung im wiedervereinigten Deutschland wurden am 31. Mai 2013 präsentiert, zum Teil mit überraschenden Zahlen. Denn mit 80,2 Millionen Einwohnern leben insgesamt 1,8 Millionen Menschen weniger in Deutschland als angenommen. 

 

 

Keine gravierende Änderung der Altersstruktur
Vergleicht man allerdings die Ergebnisse des Zensus 2011 mit zusammengefassten Altersgruppen im Hinblick auf die Altersstruktur der Bevölkerung, so lassen sich keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zur bisher angenommenen Demographiestruktur erkennen. Fakt ist dennoch, dass die Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten insgesamt älter wird und die absolute Bevölkerungszahl schrumpft. ddn-Vorstand Dr. Alexander Spermann betont: „Der Zensus 2011 zeigt eindrucksvoll, dass sich die demografische Herausforderung unverändert stellt. Denn die Altersstruktur der Bevölkerung hat sich kaum geändert.“ Dies führt wiederum zu einem niedrigeren Erwerbspersonenpotenzial, welches nur durch eine insgesamt stärker wachsende Produktivität ausgeglichen werden kann. Alle Maßnahmen, die die Bundesregierung bisher auf den Weg gebracht hat, wie z.B. die Demografiestrategie, werden deshalb umso dringlicher. Insbesondere ddn-Unternehmen gehen mit gutem Beispiel voran und demonstrieren mit zahlreichen Good-Practice Beispielen, wie dem altersstrukturellen Wandel mit demographieorientierter Personalpolitik entgegengewirkt werden kann.     

Zahlen zur Demographie
Ein kurzer Überblick der wichtigsten Ergebnisse des Zensus: Ein Fünftel der Deutschen ist 65 oder älter – Die Altersgruppe der sogenannten Babyboomer (50- bis 64-Jährigen) hat die Menschen im Rentenalter schon überholt (16,5 Millionen zu 16,3 Millionen). „Es zeigt sich aber auch, dass so viele Menschen wie noch nie in Deutschland arbeiten: Über 40 Millionen.“, unterstreicht ddn-Vorstand Dr. Alexander Spermann.  53,2 Prozent davon sind Männer und 46,8 Prozent Frauen. 2,1 Millionen waren zum Stichtag erwerbslos. Vor allem die Zahl der Ausländer ist deutlich niedriger als gedacht: Statt 7,25 Millionen leben in der Bundesrepublik lediglich 6,17 Millionen Menschen mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft. Was den Bereich Bildung angeht, zeichnet sich ein Trend zu mehr akademischen Abschlüssen ab. Bei den 30- bis 49-Jährigen verfügen z.B. bereits 20% über einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss bzw. über eine Promotion. Auf der anderen Seite fehlt immer noch vielen jungen Menschen ein beruflicher Ausbildungsabschluss. Hier liegt großes Potenzial, das es zu fördern gilt.  „Das geht am besten über gute Ausbildung und lebenslange Weiterbildung“, so ddn-Vorstand Dr. Alexander Spermann. „Hier gibt es noch viel zu tun: 3,2 Millionen Menschen über 15 Jahren sind ohne Schulabschluss und 26,6 % der Bevölkerung über 15 Jahren (bisher) ohne Berufsabschluss. Deutschland benötigt eine Agenda für lebenslanges Lernen, um die demografischen Herausforderungen bewältigen zu können.“

Auswirkungen für Länder und Kommunen
Im Bundesdurschnitt hat Deutschland 1,8% weniger Einwohner als bisher angenommen, wobei Berlin (-5,2%) und Hamburg (-4,6%) die größten und Rheinlandpfalz (-0,2%) die geringsten Verluste zu verzeichnen haben. Da sich der Länderfinanzausgleich nach der jeweiligen Einwohnerzahl richtet, haben die Korrekturen der Bevölkerungszahlen auch erhebliche Auswirkungen auf die Einnahmen der Länder. Berlin stehen beispielsweise nach Berechnungen künftig 515 Millionen Euro weniger im Jahr zu. Hamburg wird dagegen wieder vom Nehmer- zum Geberland und Bayern muss 184 Millionen Euro weniger in den Ländertopf einzahlen. Auch die Zuweisungen von den Ländern an die jeweiligen Kommunen sind betroffen. Im Bundesrat bleibt vorerst alles beim Alten. Bei noch größeren Abweichungen hätte sich die Sitzverteilung in der Länderkammer verschieben können.  

Über den Zensus
Mit dem Zensus 2011 liegen erstmals für das wiedervereinigte Deutschland genaue Einwohnerzahlen für das gesamte Land, die Bundesländer und die Kommunen sowie Details etwa zu Bildung, Erwerbsbeteiligung und Migrationshintergrund vor. Insgesamt wurden mehrere Millionen Menschen befragt. Die letzte vergleichbare Erhebung gab es in der alten Bundesrepublik 1987 und in der DDR 1981.