Wirtschaftskrise durch Corona?

30.04.20

Zukunftsforscher Erik Händeler im Interview über die Zeit nach der Corona-Krise

 

Verursacht Corona eine Wirtschaftskrise? Zukunftsforscher und Autor Erik Händeler sagt, die Lage war bereits vor Corona instabil – Nullzinsen, überhitzte Vermögenspreise von Aktien und Immobilien, ein hoher Verschuldungsgrad. So sei das Virus laut Händeler lediglich der Auslöser für einen derartigen Konjunkturabschwung. Es wäre zwangsläufig sowieso zu einem Ende des jahrzehntelangen Booms gekommen. Den Zusammenhang sieht der Forscher in der weitgehenden Durchrationalisierung der technischen Prozesse und der unzureichenden Produktivität der zunehmenden Arbeitsabläufe zwischen Menschen. Dennoch wirft er einen positiven Blick auf die Zukunft. Als Ausweg gelte es nun, die Wirtschaft in der Krise wiederaufzurichten, insbesondere durch Optimierung der immateriellen Arbeitsprozesse. Dazu äußerte sich Erik Händeler in einem Interview.


Welche Folgen werden wir Deiner Meinung nach spüren, nachdem die Corona-Krise überwunden ist?

Die Krise wird dafür sorgen, dass wir in Zukunft Personalarbeit, Unternehmenskultur und Zusammenarbeit in das Zentrum der Entwicklung stellen. Aber: Eine klare Vorhersage lässt sich nicht treffen, da wir die zukünftigen Entscheidungen von Menschen in ihrer Freiheit nicht prognostizieren können. Wahrscheinlich ist aber, dass das Wirtschaftssystem zusammenbrechen wird. Die langen Jahre der Nullzinsen haben zu einer starken Vergrößerung des Konsums geführt. Beispielsweise konnten langlebige Konsumgüter wie Autos und Küchen günstig finanziert werden und schlecht wirtschaftende Unternehmen wurden am Leben erhalten. Damit einher geht dann eine hohe Arbeitslosigkeit, so wie in jedem bisherigem Kondratieffabschwung. Wie sich das System davon erholen wird, ist davon abhängig, wie gut wir den Teil der Arbeit, der immateriell zwischen Menschen stattfindet, wieder besser hinbekommen. Dafür muss allerdings zusammengearbeitet werden. Ein Einzelner kann hier nicht viel bewirken. So ist ein Team von drei Mittelmäßigen deutlich wirtschaftlicher als der Super-Crack, der an der Zusammenführung der Ergebnisse der Arbeitsteilung scheitert.

Wie gut sind wir als Gesellschaft auf die aktuelle Situation vorbereitet? Was sollten wir daraus lernen?

Der Mensch ändert sich durch Einsicht oder durch ökonomischen Druck. Das neue Produktivitätsparadigma benötigt eine Ethik, in der der einzelne sich mit seinen Gaben frei entfalten kann; aber nicht für seine Karriere und seine Kostenstelle, sondern für das Wohl des ganzen Projektes. Statt dumpfer Gruppenethik und rücksichtslosem Individualismus kommt es jetzt auf ein echtes Interesse am gleichberechtigten Wohlergehen der anderen an. Der Ansatz, den Herausforderungen unserer Zeit mit einer sektorübergreifenden Zusammenarbeit zu begegnen, entspricht diesem Ethik-Verständnis. Das Demographie Netzwerk setzt sich für eine starke und intensive Vernetzung von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ein und ist damit auf einem guten Weg, die Arbeitswelt der Zukunft aktiv und positiv zu beeinflussen.

Danke für das Gespräch. Wir würden uns freuen, wenn wir auch zukünftig im Austausch bleiben.

 

Falls Sie sich eingehender mit der Position von Erik Händeler beschäftigen möchten, haben wir einen spannenden Buchtipp für Sie: Entgegen den aktuellen Untergangsszenarien und der Hysterie um Corona hat Erik Händeler in seinem Bestseller von 2005 „Die Geschichte der Zukunft“ einen unaufgeregten sowie historisch und wirtschaftswissenschaftlich fundierten Blick auf die aktuelle Situation und die Zukunft.

"Die Geschichte der Zukunft - Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen" (2003, 11. aktualisierte Auflage 2018)
 

Erik Händeler ist einer der Top-Redner beim Online Personalkongress am 18. – 22. Mai 2020, jeden Abend ab 18 Uhr. Wir haben für Sie 200 Freikarten. Sichern Sie sich Ihr Exemplar:

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