„Vielfalt bietet allen einen klaren Wettbewerbsvorteil“

09.03.21

Drittes DDP-Initiator*inneninterview mit Dr. Katrin Krömer von DB


Die Deutsche Bahn ist als Mitinitiatorin des Deutschen Demografie Preises 2021 Pate der Kategorie „Diversity, kreativ gestaltet“. Im dritten Interview der kleinen Serie, in der sich die Impuls- und Ideengeber hinter dem Preis vorstellen, appelliert Dr. Katrin Krömer, Jury-Vorsitzende und Leiterin Personal- und Führungskräfteentwicklung bei DB, an Unternehmen, Diversity zuzulassen. Eine größere Vielfalt, erklärt sie, biete nicht nur neue Chancen für Unternehmen, sondern eröffne auch für die Gesellschaft als Ganzes neue Wege und gebe Antworten auf die Herausforderungen im Umgang mit der VUCA-Welt.

 

 

Welche Ziele und Wünsche verknüpfen Sie als Mitinitiatorin mit dem Deutschen Demografie Preis 2021?

Der Deutsche Demografie Preis greift eine Herausforderung und Chance auf, die unsere Gesellschaft und damit auch die Unternehmen stark verändert und prägt. Es geht darum, die vielen Facetten dieses Wandels so zu gestalten, dass wir den Weg in die Zukunft mit einem guten gemeinsamen Miteinander gehen. Ich wünsche mir, dass die Projekte und Initiativen und damit auch das Thema Demografie insgesamt durch den Preis weitere Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten. Das ist wichtig, damit wir den demografischen Wandel als Chance zu nutzen und den sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland fördern können.

 

Sie sind Repräsentantin der Kategorie „Diversity, kreativ gestaltet“. Was sehen Sie als die größten Potenziale und Herausforderungen der zunehmenden Vielfalt unserer Gesellschaft an?

Vielfalt öffnet den Blick für andere Sichtweisen. Wir sehen Dinge, die wir schon 100mal angesehen haben, plötzlich aus einer anderen Perspektive. Und das ermöglicht es uns, neue Lösungen zu finden und voranzutreiben. Kreatives Denken und Arbeiten wird durch Vielfalt gefördert. Wir wissen aus vielen Studien, dass diverse Teams nicht nur innovativer, sondern auch erfolgreicher sind.

Das ist in der Arbeitswelt ganz wichtig: Hier liegt eine große Chance darin, das Team stärker in den Fokus zu nehmen, ganz nach dem Motto: Making the mix work. Neben der individuellen Passung zur konkreten Position müssen wir viel stärker auf die gesamte Zusammensetzung achten. Je mehr es auf den Umgang mit der VUCA-Welt und neue Lösungen und Ideen ankommt, desto mehr profitieren wir alle von vielfältigen Perspektiven. Und nicht nur die Vielfalt in den Teams ist wichtig, wir müssen uns auch selbst mehr hinterfragen und anfangen, vielseitiger zu denken. 

Dies gilt auch für die größere Ebene unserer gesamten Gesellschaft, denn auch hier müssen wir für die großen Fragen unserer Zeit oft ganz neue Möglichkeiten und Wege erschließen. Leider stellen wir immer wieder fest, dass es Vorurteile und Ablehnung gegenüber Unbekanntem oder Fremdem gibt. Wir als Gesellschaft müssen gemeinsam dafür sorgen, dass man Vielfalt nicht ängstlich, sondern aufgeschlossen gegenübersteht. Dafür brauchen wir eine wertschätzende Kultur, in der sich alle Mitmenschen gleichbehandelt und wohl fühlen. Diversity muss überall gelebt werden. Wir als Deutsche Bahn bekennen uns ganz klar zu Vielfalt und Integration und versuchen, als Vorbild voranzugehen.

 

Wie erleben die Mitarbeitenden in Ihrem Unternehmen Diversity?

„Einziganders.“, unsere konzernweite Initiative, unterstreicht unser Verständnis und Bekenntnis für Vielfalt. Bei uns sind alle Facetten vertreten: Von der Vielfalt der Geschlechter, Generationen, Fähigkeiten, sexuellen Orientierungen und Herkunft bis hin zur Vielfalt der Perspektiven, Werte, Berufserfahrungen und Kompetenzen. Unsere Belegschaft ist schließlich über die Kerndimensionen von Diversity hinaus vielseitig im Denken, Wahrnehmen, Bewerten und Umsetzen.

Wir leben in einer modernen Gesellschaft, in der es selbstverständlich sein sollte, ein Klima zu schaffen, in dem ein jeder und eine jede, egal auf welcher Position und mit welchem Hintergrund, sich nicht verstellen muss, akzeptiert wird – und sich angstfrei einbringen und entfalten kann. Dieses Bekenntnis zur Vielfalt muss auf allen Ebenen vorgelebt werden.

Wie eben schon dargestellt, sind divers aufgestellte Führungsteams für mich wichtig, damit wir unseren Beitrag für eine klimafreundliche Mobilität und überzeugenden Kundenservice heute und in Zukunft überzeugend leisten können. Zudem ist es auch eine Frage von gesellschaftlicher Gerechtigkeit und Fairness. Wir achten bei der Zusammensetzung unserer Führungs- und Mitarbeitendenteams auf Diversität, damit sich alle Potenziale entfalten können. Dafür sensibilisieren wir unsere Kolleg*innen zum Beispiel mit innovativen Formaten zum unconscious bias.

Außerdem haben wir uns als Arbeitgeberin eine klare Zielgröße von 30 Prozent Frauen in Führung bis 2024 gesetzt. Mir persönlich liegt es am Herzen, Frauen zu ermutigen, ihre Karriereambitionen zielgerichtet zu verfolgen und Chancen zu ergreifen.

Einen weiteren wichtigen Beitrag für das gemeinsame Miteinander leistet unser Generationenmanagement. Für uns heißt Generationenmanagement, zu erkennen und wertzuschätzen, dass unterschiedliche Mitarbeitende je nach Lebensalter oder Betriebszugehörigkeit unterschiedliche Bedürfnisse und Werte haben, die ihr betriebliches individuelles oder teaminternes Handeln beeinflussen. Es gilt für uns, aktiv Vorurteile abzubauen und mit Stereotypen aufzuräumen. Durch konkrete generationenübergreifende Formate machen wir Vorteile verschiedener Generationenvertreter*innen sichtbar, erlebbar und wir lernen voneinander – das macht Spaß und öffnet die Augen über eigene Denkmuster.

Bei uns im Unternehmen arbeiten Mitarbeiter*innen aus über 120 Nationen, auch vor diesem Hintergrund ist uns das Engagement für die Integration von Geflüchteten sehr wichtig. Mit speziellen Qualifizierungsprogrammen konnten wir über 500 Teilnehmenden eine nachhaltige berufliche Perspektive bieten. Hier konnten wir die Offenheit und Solidarität unserer Beschäftigten besonders deutlich spüren.

 

Was können andere Unternehmen und Kommunen davon und von den Projekten, die mit dem Deutschen Demografie Preis in dieser Kategorie ausgezeichnet werden, lernen?

Diversity ist weder eine Frage der Betriebsgröße noch des Budgets. Jede und jeder von uns kann dazu beitragen, dass Wertschätzung, Toleranz und Respekt zur Norm werden. Oft können auch kleine Maßnahmen schon einen großen Unterschied bewirken. Es sind bereits die alltäglichen Dinge, die wichtig sind, um eine vielfältige und tolerante Unternehmenskultur zu ermöglichen. Ein Anfang könnte es zum Beispiel sein, sich klar zu Vielfalt zu bekennen, Haltung zu zeigen und dies vorzuleben. Konkret kann dies zum Beispiel sein, neue Zielgruppen zu rekrutieren und diesen eine Perspektive zu geben, wie etwa Geflüchteten oder Langzeitarbeitslosen – wir bei der DB haben hier sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir haben davor schon darüber gesprochen: Innovation ist nur mit Hilfe verschiedener Blickwinkel möglich. Vielfalt bietet allen einen klaren Wettbewerbsvorteil. Mein Appell ist: Traut euch! Lasst Diversity zu, es wird sich lohnen!

Hier gelangen Sie zum ersten Interview mit Markus Heinen, Leiter People Advisory Services bei EY, in dem er die Chancen der Digitalisierung für die Herausforderungen des demografischen Wandels beschreibt.

Hier gelangen Sie zum zweiten Interview mit Sebastian Harrer, Director Human Resources bei ING Germany und Pate der Kategorie "New Work, zum Leben erweckt", über den Zusammenhang zwischen New Work und Demografie.

Hier gelangen Sie zum vierten Interview mit Frank Kohl-Boas, Vorsitzender der Jury in der Kategorie "Lernen, ein Leben lang" und zuständig bei der ZEIT für Personal und Recht, über die Wichtigkeit von lebenslangem Lernen und neuen Lernformen.

Hier gelangen Sie zum fünften Interview mit Andreas Greve, Geschäftsführer der nextpractice GmbH, Pate des Sonderpreises Nexpractice für besonders innovative Projekte, in dem er die Wichtigkeit von Inspiration und Innovation für die (Arbeits-)Gesellschaft hervorhebt.

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