Urbane Dörfer – wie digitales Arbeiten Städter aufs Land bringen kann

15.08.19

Junge Menschen verlassen ihre Heimatdörfer und in vielen ländlichen Regionen in Ostdeutschland ist der demografische Wandel spürbar. Mit dem wachsenden Bildungsstand könnte sich dieser Trend künftig noch verschärfen, denn Universitäten gibt es auf dem Land kaum und Akademiker finden bislang vor allem in den Städten Arbeit.

Aber: In Dörfern und Kleinstädten in Ostdeutschland werden neue Formen gemeinschaftlichen Wohnens und Arbeitens erprobt. Zur Untersuchung des neuen Phänomens „raus aufs Land“ wurden 18 existierende und werdende Projekte von dem Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung besucht und die Beteiligten interviewt.  Zwar sind Menschen schon immer von der Stadt auf das Land gezogen aber die Besonderheit ist, dass sie nun ihre Arbeit mit aufs Land nehmen.

Viele der von dem Berlin Institut besuchten Projekte haben einen neuen Wohn- und Arbeitsort geschaffen. Neue Landbewohner zieht es meist nicht in Neubauten am Dorfrand, sondern sie interessieren sich für alte und baufällige Gebäude in den Ortskernen, um Ideen in aufgegebenen Fabriken und Mühlen, in ehemaligen Krankenhäusern und Berufsschulen, Klosteranlagen und Landgütern, sogar in ehemaligen Plattenbauten der LPG, zu verwirklichen.

Die Gestaltungsmöglichkeiten im Wohnprojekt sind Anreize für das Landleben, jedoch bedeutet dies für Umzugswillige, dass sie sich  gut vorbereiten müssen, wie sie ihre berufliche Tätigkeit ausüben können. Viele der Neulandbewohner arbeiten in Wissens- und Kreativberufen – von den klassischen Digitalarbeitern wie Programmierern und Grafikdesignern bis hin zu Architekten, Journalisten, Sozialwissenschaftlern oder Kulturmanagern. Ein wichtiger Faktor, denn Sie können einem Großteil der Arbeit überall nachgehen – auch am heimischen Computer auf dem Land.

Neben  beruflichen Tätigkeiten, die überall nachgegangen werden können sind auch ortsgebundenen Berufen, wie Lehrer und Sozialpädagogen, Ärzte oder Handwerker, gefragt. Hier ist allerdings oft ein Stellenwechsel notwendig. Doch nicht jeder erhält sofort ein Jobangebot. Dann bleibt zunächst das Pendeln in die Stadt. Im Unterschied zu vielen klassischen Umlandwanderern, bei denen Pendeln als notwendiges Übel zum Alltag gehört, möchten viele der neuen Landbewohner jedoch lieber früher als später auf die tägliche Fahrerei verzichten.

Einige der neuen Landbewohner gehen mit ihrem Umzug raus aus der Stadt auch beruflich neue Wege. Handwerker oder Heilpraktiker beispielsweise erfüllen sich im Gemeinschaftsprojekt den Traum von der eigenen Werkstatt oder Praxis. Kreativ- und Wissensarbeiter wie Projektmanager oder Kommunikationsberater wechseln in eine freiberufliche Tätigkeit. Und einige Befragte machen sich mit einer ganz neuen Geschäftsidee selbstständig und gründen ein eigenes Unternehmen im Umfeld des Wohnprojektes.

Diese Gemeinschaftsprojekte werden selten als reine Wohnprojekte geplant, schließlich bringen die neuen Landbewohner bestimmte Ansprüche aus den Städten für ihr neues Wohnumfeld mit. Denn eine lückenhafte Versorgung ist nicht gewünscht, sodass man versucht neue Möglichkeiten wie beispielsweise Carsharing zu integrieren. Besonders wichtig ist eine ordentliche Datenleitung, denn ohne eine Anbindung an das weltweite Netz können Städter kaum eine neue Heimat such oder ein Unternehmen aufbauen. Dies kann für einzelne Dörfer eine große Chance sein- sowohl hinsichtlich der Digitalisierung als auch der demografischen Zukunft.
 

Wenn Sie mehr wissen wollen, kann die Studie hier heruntergeladen werden.

Ein Interview mit Reiner Klingholz, Leiter des Berlin Instituts, im Spiegel ist hier verlinkt.