„Unternehmen zu einer Verantwortungskultur bewegen“

30.07.12

Inwieweit schöpfen Unternehmen ihr Potential zur Verfolgung von zentralen Unternehmenszielen aus? Dieser und weiteren Fragen widmete sich die Veranstaltung „Organisationale Energie“ des ddn-Regionalnetzwerks Südbaden (Initiative 45plus), die am 19. Juni 2012 in Freiburg stattfand. ddn hat mit Rudolf Kast, ddn-Vorstandsvorsitzender, über die Ergebnisse der Veranstaltung gesprochen.

ddn: Herr Kast, was bedeutet organisationale Energie und wie können Unternehmen davon profitieren?

Rudolf Kast: Organisationale Energie ist die Kraft, mit der Unternehmen zielgerichtet arbeiten. Die Stärke organisationaler Energie zeigt, in welchem Ausmaß Unternehmen ihr emotionales, kognitives und verhaltensbezogenes Potential aktiviert haben, um zentrale Unternehmensziele präzise zu verfolgen.

Organisationale Energie wird mit einer Energie-Matrix gemessen, die aus vier Energiezuständen besteht: Der korrosiven Energie* und der resignativen Trägheit sowie aus der produktiven Energie und der angenehmen Trägheit. Diese Energien treten in Unternehmen immer in einem Mixzustand auf. Idealerweise ist es so, dass ein Unternehmen viel produktive Energie hat, mit einem gewissen Grad an angenehmer Trägheit. Mit einer Messung der Energien kann man anhand einer Graphik sehen, in welchem Zustand sich ein Unternehmen befindet und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Oftmals bedarf dies einer Änderung der Führungs- und Unternehmenskulturen, wenn ein zu hoher Grad an korrosiver Energie und resignativer Trägheit gemessen wird. 

ddn: Bei der Veranstaltung haben Sie den Diskussionspart „Theorie trifft Praxis: Welche Möglichkeit haben Unternehmen zur Entwicklung eines Konzeptes zur organisationalen Energie“ moderiert. Was war das Ergebnis dieser Diskussionsrunde?

Rudolf Kast: Dr. Justus Julius Kunz von der Universität St. Gallen referierte zum Thema Organisationale Energie. Anschließend haben wir betrachtet, welche Unternehmen eine Energie-Matrix einsetzen. Das Ergebnis der Diskussionsrunde war, dass zahlreiche Unternehmen ihre Führungssysteme überdenken und einen Wandel in der Unternehmenskultur vollziehen müssen. Es sollten Systeme etabliert werden, in denen  Arbeitnehmer mehr Verantwortung  und höhere Entscheidungsspielräume haben. Diese Veränderungen können u.a. durch eine Veränderung in der Arbeitszeitkultur stattfinden, in der Arbeitnehmer eigenständiger ihre Zeit einteilen und eigenverantwortlicher arbeiten können. Ferner durch die Implementierung von Zielvereinbarungssystemen, in denen Beschäftigte am Erfolg ihrer Arbeit gemessen werden, so wie es in vielen Unternehmen auch schon praktiziert wird.

ddn: Welchen Mehrwert hat die Veranstaltung den Teilnehmern geboten?

Rudolf Kast: Den Teilnehmern wurden die Gestaltungsspielräume  von Unternehmenskultur und Unternehmensführung verdeutlicht. Ferner wurde die energetische Kraft von Visionen und Führungskräften, die diese Visionen leben und die Mitarbeiter mit ihrem Denken und Handeln mitreißen können, verdeutlicht.

Im Hinblick auf die demographischen Veränderungen in Unternehmen haben wir diskutiert, wie Führungskräfte ältere Arbeitnehmer  für die Arbeit begeistern und sie zu einem längeren Verbleib im Erwerbsleben motivieren können. Das geht nur über eine demographiefeste Führung und einen Unternehmenskulturwandel hin zu mehr Partizipation und Verantwortung.

ddn: Welchen Stellenwert haben solche Regionalveranstaltungen für ddn?

Rudolf Kast: Mit Regionalveranstaltungen schaffen wir Öffentlichkeit für Das Demographie Netzwerk (ddn) e.V. Das ddn bietet durch Regionalveranstaltungen Austauschforen für Unternehmen und gibt Hilfestellungen und Impulse zu Themen, die für  die Unternehmen in ihrem Unternehmensalltag eine Hilfestellung bieten. Wir möchten auch in Zukunft Ideenlieferant für Unternehmen sein. In der proaktiven Beschäftigung mit dem demographischen Wandel sein.

Am 8. November 2012 findet in Freiburg im AOK-Gebäude eine Veranstaltung des Regionalnetzwerks ddn Südbaden zum Thema Gesundheitsmanagementstatt. Dort werden Unternehmen aus der Region auftreten und ihre Gesundheitsmanagementkonzepte vorstellen. Frau Dr. Lotzmann vom ddn-Mitglied SAP wird ebenfalls anwesend sein und das Gesundheitsmanagementmodell SAP 3.0 vorstellen.

*Unter korrosiver Energie versteht man Arbeitskraft zersetzende Energien von Mitarbeitern. Sie entstehen durch  Unzufriedenheit und ungelöste Konflikte mit Führungsstil und Unternehmenskultur. 

 

Zur Person:

Rudolf Kast ist seit März 2012 ddn-Vorstandsvorsitzender. Er ist Inhaber der Unternehmensberatung Kast.Die Personalmanufaktur in Wittnau bei Freiburg. Kast ist seit 2008 im ddn-Vorstand tätig und hat das ddn bundesweit durch die Gründung von 17 regionalen Netzwerken etabliert.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Mainz und anschließender Referendarzeit, war Kast bis 1990 zunächst für ein Jahr in der Geschäftsführernachwuchsausbildung der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände in Berlin tätig und wechselte dann in die Industrie zur BRAAS GmbH. Von 1990 bis 1994 war Kast Leiter der Personalabteilung Region Mitte bei der Siemens-Nixdorf AG. Danach war Kast bis 2010 Leiter des Personal- und Sozialwesen bei der SICK AG in Waldkirch. 1997 wurde er Mitglied der Geschäftsleitung des Sensortechnologie-Herstellers. Die Personalarbeit der SICK AG wurde unter seiner Leitung mit zahlreichen Preisen national und international ausgezeichnet. Nach einer Befragung des Personalmagazins Personalwirtschaft firmiert Kast  von 2003 -2011 als  „einer der 40 führenden Köpfe“ im deutschen Personalwesen. Im Jahr 2011 gründete Kast die Personalmanufaktur  und berät mittelständische Unternehmen  im Personalmanagement und Führungskräfte in der Karriereentwicklung. Darüber hinaus hat er Lehraufträge an den Dualen Hochschulen in Lörrach und Villingen-Schwenningen. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu den Themen Führung, Demografie, Moderne Vergütungssysteme, Lebenszyklusorientiertes Personalmanagement und Personalcontrolling. Seit Mai 2012 ist Kast im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums für Arbeit und Soziales Themenbotschafter der Initiative Neue Qualität der Arbeit für Wissen und Kompetenz.