Thema im Bundestag: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz

22.05.13

Das Thema „psychische Belastungen am Arbeitsplatz“ ist im Deutschen Bundestag angekommen. Verbände und Einzelsachverständige diskutierten in der 134. Sitzung des Ausschuss für Arbeit und Soziales, was die Politik gegen diese Belastungen unternehmen kann. Anlass war ein Antrag von Abgeordneten der SPD Fraktion. Im Kern der Diskussion stand das Für und Wieder einer „Anti-Stress-Verordnung“.

Andrea Ferggen von der IG Metall trat für eine Anti-Stress-Verordnung ein. Sie würde eine neue Rechtsgrundlage schaffen, welche für alle Beteiligten bindend wäre. Andreas Krause, Betriebsrat von DaimlerChrysler in Berlin, unterstützte diesen Standpunkt und sah darin ein handfestes und greifbares Werkzeug für den Arbeitsalltag. Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen wiesen dagegen darauf hin, dass in Deutschland bereits ein Arbeitsschutzgesetz existiert, dieses aber bisher in vielen Betrieben nicht ausreichend umgesetzt wird.

Einigkeit bei den Experten herrschte darüber, dass es nicht Aufgabe von Führungskräften sein kann, psychische Erkrankungen ihrer Mitarbeiter zu erkennen. Sie sind mit ihren Aufgaben bereits ausgelastet und verfügen darüber hinaus nicht über die dafür notwendige Ausbildung.

Die Arbeitswelt macht Beschäftigte heute nicht öfter krank als früher. Darauf wies Norbert Breutmann von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände hin. Lediglich die Art der Erkrankung hat sich geändert. Waren früher meist körperliche Leiden Ursache für die Arbeitsunfähigkeit, sind es heute psychische Erkrankungen wie Depressionen, Konzentrationsstörungen und Entfremdungsgefühle, die auch Ursache für Frühverrentungen sein können.

Wolfgang Panther vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte sah die Ursachen dafür unter anderem in der rasanten technischen Weiterentwicklung und der Veränderung der Kommunikation im Arbeitsalltag. Er sprach beispielhaft den Umgang mit E-Mails an. Sie werden immer mehr, und obwohl oft überflüssig fordern sie die Aufmerksamkeit ihrer Empfänger ein. Immer häufiger ersetzen sie ein kurzes Telefonat oder ein persönliches Gespräch unter Kollegen.

Die politische Debatte Pro und Contra Anti-Stress-Verordnung wird weitergehen. Die praktische Debatte, wie psychische Belastungen reduziert werden können, wird der den Arbeitskreis Gesundheit weiter vorantreiben. Dessen Arbeit baut unter anderem auf den Erkenntnissen des „Stressreport Deutschland 2012“ auf , der im Januar von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin vorgestellt wurde.