Stuttgart. Perspektivwechsel 3D: Generationenbilder und Digitalisierung

30.06.17

Selten war Personalpolitik so spannend wie derzeit:  Zum einen wirkt sich der demographische Wandel immer deutlicher in den Firmen aus. Zum anderen nimmt heute mit der Digitalisierung ein neuer Megatrend Fahrt auf, der bislang nur in Ansätzen verstanden wird. Um beides an Firmenbeispielen zu diskutieren, haben das Demographie Netzwerk und Mercedes-Benz im Juni nach Stuttgart eingeladen.  Neben hochkarätigen Vorträgen und Diskussionen konnten die Teilnehmer auch die Ausstellung "EY ALTER" besuchen, die den demographischen Wandel erlebbar macht.

Entwickelt wurde sie im Bremer Werk von Mercedes-Benz nach einer Initiative von Heino Niederhausen, dem dortigen  Personalchef. Es gehe darum, Altersbilder zu verändern, erklärte er auf der Veranstaltung. Denn allzu oft prägten unsere - meist unbewussten - Vorurteile unsere Sicht auf das Miteinander der Generationen. „EY ALTER“ ergänzt die groß angelegte Demografie-Initiative „YES – Young and Experienced together Successful“. Der ddn-Vorstandsvorsitzende Rudolf Kast stellte dazu die druckfrische INQA-Broschüre „Alle in eine Schublade“ vor, die sich mit Altersstereotypen beschäftigt.

Beim dann folgenden Besuch der Ausstellung konnten die Teilnehmer ganz konkret erleben, wie relativ und individuell Alter ist. Anhand von vier Themenbereichen wurde gezeigt, was "unser Denken über Alt und Jung bestimmt, wie facettenreich das eigene Alter ist, worin die persönlichen Potenziale liegen und wie diese in Teams mit unterschiedlichen Generationen eingebracht werden können". In parallelen Workshops bot das Institut für angewandte Arbeitswissenschaften (ifaa) den INQA-Check "Vielfaltsbewusster Betrieb" an. Zudem wurde das INQA-Projekt SoViel vorgestellt, mit dem die Potenziale von Diversity im Unternehmen aufgezeigt werden.

Zwei Diskussionsrunden zum einen mit Praktikern aus der Wirtschaft und Experten aus der Wissenschaft rundeten die Veranstaltung ab. Auch dabei wurde überdeutlich, dass Firmen sehr profitieren, wenn sie sich der Vielfalt in ihren Belegschaften bewusst werden und sie zu nutzen lernen. Noch kämen diese kulturellen Dimensionen im Arbeitsleben oft zu kurz, berichtete Sonja Lambert, Leiterin der Stabsstelle Diversity Management der AOK Hessen. Je höher Führungskräfte beispielsweise Erfahrung als wichtigen Erfolgsfaktor einschätzten, desto positiver sei ihr Altersbild.

Beim Maschinenbauer Trumpf gibt es eine Initiative, die langjährige Erfahrung von Außendienst-Mitarbeiter in der Ausbildung zu nutzen. Etliche Mitarbeiter wollten nach Jahrzehnten im Außendienst nicht mehr so viel unterwegs sein und wandten sich an Gerd Duffke von der Personalabteilung. Er hatte dann die Idee, sie in der Ausbildung einzusetzen. Davon profitieren nun alle Beteiligten.

Ganz offensichtlich mangelt es in der Arbeitswelt von morgen weder an Herausforderungen noch an Ideen, diese zu überwinden. So deutlich sich auch viele Bereiche unseres Zusammenlebens und -arbeitens verändern werden, behält doch eine Perspektive Gültigkeit: mit dem richtigen Werkzeug und einer Portion Mut ist und bleibt der Wandel gestaltbar. Wir laden Sie ein: Gestalten Sie mit!