Studie: Wie wir in Zukunft arbeiten werden

08.04.13

Warum höhere Erwerbsquoten von Frauen und Älteren sowie längere Arbeitszeiten dringend notwendig sind und wie Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Arbeitswelt von morgen mitgestalten können – darüber sprach ddn anlässlich der Veröffentlichung der Studie „Die Zukunft der Arbeitswelt 2030“ mit Prof. Dr. Jutta Rump, ddn-Beirätin und Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule Ludwigshafen sowie Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen.

ddn: Frau Prof. Dr. Rump, wie sieht die Arbeitswelt im Jahr 2030 aus?

Prof. Rump: Der Arbeitswelt im Jahr 2030 werden Arbeits- und Fachkräfte fehlen, voraussichtlich circa sechs Millionen, also in etwa 15 Prozent der derzeitigen Erwerbstätigen. Für eine Wissens- und Innovationsgesellschaft wie wir sie in Deutschland haben, benötigen wir dringend mehr Arbeits- und Fachkräfte und müssen dementsprechende Maßnahmen ergreifen.

ddn: Welche Maßnahmen sind dies konkret?

Prof. Rump: Erstens brauchen wir mehr „Köpfe“, also mehr Erwerbstätige, die bisher noch nicht oder nur unzureichend zur Verfügung stehen. Zweitens müssen wir die Arbeitszeiten neu anpassen. Und drittens müssen wir an der Produktivität arbeiten: Wer produktiver ist, kann mit reduziertem Input einen bestimmten Output erreichen. 

ddn: Müssen wir in Zukunft mehr arbeiten?

Prof. Rump: Die wöchentliche, monatliche sowie die Lebensarbeitszeit werden zunehmen. Ein großes Arbeitszeitpotenzial lässt sich bei Teilzeit-Arbeitsverhältnissen heben. So sollte die bisherigen Teilzeitvolumina angehoben und die Teilzeitquote – gerade bei erwerbstätigen Frauen – insgesamt reduziert werden. Voraussetzung ist allerdings der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur, denn viele Teilzeit-Arbeitsverhältnisse sind in der Kombination mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sehen. Natürlich muss es auch Übergangs- bzw. Sonderregeln  für Beschäftigte wie beispielsweise schwer körperlich Arbeitende geben.

ddn: Wenn wir länger arbeiten sollen, müssen wir auch länger erwerbsfähig bleiben. Müssen wir selbst dazu beitragen?

Prof. Rump: Ja, das müssen Sie. Jeder Arbeitnehmer wird künftig mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen müssen. Balance halten ist wichtig. Jeder Arbeitnehmer muss individuell für sich persönlich entsprechende Strategien entwickeln, um körperlichen und geistigen Ausgleich zu seiner Arbeit zu finden.

ddn: Was muss sich in der Personalentwicklung ändern?

Prof. Rump: Personalentwicklung muss nach dem „magischen Dreieck“ erfolgen. Dieses setzt sich aus den Eckpunkten Kompetenz, Motivation und Gesundheit zusammen. Nur wer qualifiziert, motiviert und gesund ist, kann länger erwerbsfähig bleiben.
Ausgehend von diesem „magischen Dreieck“ sind auch Unternehmen in der Verantwortung, ihre Mitarbeiter individuell zu fördern. Es sollten regelmäßige Mitarbeitergespräche kombiniert mit Personalbeurteilungen durchgeführt werden, die an Stärken orientiert sind. Zudem ist es sinnvoll, dass Unternehmen den Arbeitnehmern die Vereinbarkeit von Beruf und jeweiliger Lebenssituation ermöglichen.

ddn: Was bedeutet eine Änderung der Arbeitswelt für die bisherigen Karrieremuster? Werden diese in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben?

Prof. Rump: Nein, es wird nicht mehr nur die traditionelle, vertikale Karriere geben, sondern es wird auch das Modell der Mosaikkarriere kommen: zum Beispiel in Kombination von Führungs-, Projekt- und Fachkarriere oder auch mal einer Auszeit. Es wird eine zunehmende Individualisierung von Karrieremustern geben.

ddn: Wie kann ein Netzwerk wie ddn Unternehmen helfen?

Prof. Rump: Ein Netzwerk wie ddn kann für die Notwendigkeit des Demographiemanagements sensibilisieren. ddn bietet „best practices“ und Erfahrungswerte, hier können Personalverantwortliche zusammenkommen, Ideen austauschen und schauen, wie es andere machen. ddn aktiviert Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber, die Gestaltung des demographischen Wandels selbst in die Hand zu nehmen. Das Netzwerk bietet ihnen konkrete Handlungshilfen und Lösungsansätze, die zunehmend Verbreitung finden. Wenn ein Unternehmen mit gutem Beispiel vorangeht, hat das eine sehr hohe Schlagkraft und Vorbildfunktion für andere Unternehmen, die immens viel bewirken kann.

 

Zur Person: Prof. Dr. Jutta Rump ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule Ludwigshafen und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen. Seit 2007 gehört sie zu den „40 führenden Köpfen des Personalwesens“ (Zeitschrift Personalmagazin) und zu den wichtigsten Professoren für Personalmanagement im deutschsprachigen Raum. Sie ist Mitglied der Kommission, welche die interdisziplinäre Studie „Die Zukunft der Arbeitswelt. Auf dem Weg ins Jahr 2030“ erstellt hat, die von der Robert Bosch Stiftung gefördert wurde. Die Studie beschäftigt sich mit den Veränderungen der Arbeitswelt im Zuge des demografischen Wandels und wurde Anfang März an Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen übergeben.