Studie: Unternehmen unterschätzen Auswirkungen einer alternden Belegschaft

14.08.12

Gefahr erkannt, Gefahr nicht gebannt: So könnte man die Ergebnisse der aktuellen Studie "Demografie Exzellenz in Baden-Württemberg - Herausforderungen im Personalmanagement" zusammenfassen. Danach werden die Auswirkungen alternder Belegschaften zwar von baden-württembergischen Unternehmen heute häufiger erkannt und strategisch berücksichtigt als drei Jahre zuvor, allerdings bleiben die konkrete Umsetzung und die bereitgestellten Demografiebudgets weiter unzureichend. Oft wird in Wirtschaft und Industrie zu einseitig auf Maßnahmen zum Gesundheitsmanagement und Personalentwicklung abgestellt. 

Dies sind zentrale Ergebnisse der Studie 2012, die das Forum Baden-Württemberg im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) und die Duale Hochschule Baden-Württemberg Lörrach gemeinsam durchgeführt haben. Bereits 2009 hatten beide eine vergleichbare Befragung unter Firmen in Baden-Württemberg veröffentlicht. Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz im Kongresszentrum in Karlsruhe fasste Günter Monjau, Vorsitzender des BDU-Forums Baden-Württemberg, die aktuellen Studienergebnisse mit den Worten zusammen: "Alle reden vom Einfluss des demografischen Faktors, aber zu wenige tun etwas dagegen." 

So geben in der Studie 2012 beispielsweise nur 38 Prozent an, eine systematische Altersstrukturanalyse im Unternehmen durchgeführt zu haben (2009: 41 Prozent). Eine Ziel-Mitarbeiterstruktur besitzen nur 22 Prozent (2009: 28 Prozent). Damit fehlen vielfach erste wichtige Analyseelemente, um konkrete demografieorientierte Personalinstrumente ableiten zu können. Und: Noch immer stellt weniger als ein Viertel der befragten Firmen ein eigenes Budget für geeignete Maßnahmen zur Verfügung, um die Auswirkungen der alternden Belegschaften abzufedern. 

Professor Uwe Schirmer, wissenschaftlicher Studienleiter und Professor für Personalmanagement und Mitarbeiterführung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach, sieht darüber hinaus weitere Schwachstellen: "Wir mussten in der Studie sogar feststellen, dass trotz des beklagten Fachkräftemangels in 57 Prozent der Unternehmen noch nicht einmal jeder vierte Betrieb Instrumente wie Talentmanagement, langfristige Personalplanung oder zielgruppenspezifisches Personalmarketing nutzt. In nur annähernd jedem dritten Unternehmen existiert überhaupt eine Nachfolgeplanung." Aus seiner Sicht muss das Thema Demografiemanagement viel größere Verbreitung finden. Deutlich wurde in der Studie nämlich auch, dass die Angebote externer Institutionen die Betriebe zu wenig erreichen. Dabei, so Schirmer, gebe es gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen spezifische Instrumente, wie zum Beispiel praktikable Implementierungsprozesse für Demografiemanagement mit Analysetools, Strategieworkshops und Projektplanung. Daneben sei der Einsatz belastbarer Controlling-Tools sinnvoll, um die Effekte von zielführenden Maßnahmen regelmäßig erfassen und berechnen zu können. 

Hintergrund

Studie: Die Befragung zur gemeinsamen Studie des Forums Baden-Württemberg im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach wurde als offene Online-Befragung im Zeitraum März/April 2012 durch-geführt. Insgesamt haben 204 Unternehmen aus Baden-Württemberg teilgenommen. Teilneh-mer der Befragung waren überwiegend mittelständische Unternehmen, davon 54 Prozent in der Umsatzgröße bis 50 Millionen Euro und 57 Prozent mit weniger als 250 Mitarbeitern. Download Studie unter: http://www.forum-bw.bdu.de/ oder www.bdu.de