Sachverständige gaben im Bundestag Antwort zum Thema Rente mit 67

09.03.11

Die Rente mit 67 ist beschlossene Sache. Dennoch wird über eine Aufschiebung oder eine Aussetzung immer noch heiß diskutiert. Daher hat der Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales kürzlich Sachverständige zu diesem Thema angehört. Eingeladen waren Vertreter von IG Metall, Deutsche Rentenversicherung Bund, DGB, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Zentralverband des Deutschen Handwerks und
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie einige Einzelsachverständige.

Auffallend war das fraktionsübergreifende große Interesse an der Bedeutung der Arbeitsgestaltung als Voraussetzung für längeres Arbeiten. 

Das hat gewichtige Gründe: Die Lebenserwartung der Menschen steigt und damit auch die durchschnittliche Rentenbezugsdauer. Lag diese 1995 noch bei durchschnittlich 18,2 Jahren, so ist sie 2009 bereits auf 20,6 Jahre angestiegen. Die Experten der Deutschen Rentenversicherung Bund gehen daher davon aus, dass trotz der Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittalters die Rentenbezugsdauer der meisten Menschen zunimmt. Somit kann die Anhebung des Renteneintrittsalters nicht die längere Bezugsdauer ausgleichen. Das Problem der Finanzierung der Sozialversicherungssysteme wird sich dadurch zukünftig eher noch verstärken – trotz längerer Lebensarbeitszeit. 

Zugleich stehen wir in Deutschland aber vor der Herausforderung, dass schon heute die meisten Menschen nicht mehr bis zum derzeitig geltenden gesetzlichen Renteneintrittsalter von 65 Jahren arbeiten. Die meisten Menschen gehen zwischen 55 und 61 Jahren in Rente. Viele Menschen scheiden unfreiwillig vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus, weil sie gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, weiter zu arbeiten. Der DGB betonte daher, dass eine Kürzung  aufgrund eines vorzeitigen Rentenerwerbs bei den Menschen, die nicht mehr länger arbeiten können, nicht im Interesse der Gesellschaft sein kann. Hierzu müsse es mehr Angebote für Ältere und Investitionen in Arbeits- und Gesundheitsschutz geben. 

Die Sachverständigen waren sich weitgehend einig darin, dass flankierende Maßnahmen notwendig sind, um die Rente mit 67 umzusetzen. Derzeit ist laut Experten kein Trend zur Weiterbildung zu erkennen, obwohl diese dringend erforderlich wäre, um die Arbeitsfähigkeit auch in fortgeschrittenem Alter zu erhalten. 

Der Zentralverband des deutschen Handwerks schlug beispielsweise die Förderung belastungsreduzierender Technik vor. Allein schon um das bestehende Leistungsangebot des Handwerks aufrecht erhalten zu können, sind ältere Mitarbeiter unverzichtbar.

Obwohl sich die Situation Älterer auf dem Arbeitsmarkt verbessert hat, besteht ein erhebliches Risiko für Ältere, die ihren Job verlieren. Laut Aussage von DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach findet nur jeder Vierte, der mit über 45 Jahren arbeitslos wird, wieder einen neuen Job. Der Anteil der über 60-Jähriger an den Neueinstellungen liegt laut Andreas Wendland von der IG Metall im Promillebereich. ddn sieht die große Herausforderung darin bestehen, Menschen durch den Erhalt ihrer Arbeitsfähigkeit in die Lage zu versetzen, auch in fortgeschrittenem Alter aktiv am Arbeitsmarkt teilzunehmen.

Im Intranet stehen die Anträge der Fraktionen und die schriftlichen Stellungnahmen der Sachverständigen zur Rente mit 67 ddn-Mitgliedern zur Verfügung.