Pionierinnen und der "Thomas-Kreislauf"

29.04.21

Teil 2: Pionierinnen

You can be what you can see


Anlässlich des 5. Freiburger Unternehmer-Symposiums hat ddn-Vorstandsvorsitzender Rudolf Kast ein großes Interview mit  Dr. Wiebke Ankersen geführt. Im zweiten Teil geht es um Frauen in Führung als Pionierinnen und den "Thomas-Kreislauf". 

 

Dr. Wiebke Ankersen führt seit 2016 als Geschäftsführerin gemeinsam mit Christian Berg die AllBright Stiftung in Berlin. Die gemeinnützige deutsch-schwedische Stiftung engagiert sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft. Sie präsentiert Fakten, sensibilisiert und fordert von den Unternehmen konkrete Ergebnisse bei der Erhöhung des Frauenanteils in den Führungsteams ein.

 

 

 

Wenn eine Frau eine Position als Erste erklommen hat, ist sie damit nicht am Ziel. Manchmal sind die Ersten leuchtende Vorbilder, manchmal scheitern sie an den Männern, den Umständen, den Vorurteilen oder an sich selbst, von manchmal sind sie erfolgreich, trotzdem haben sie keine Nachfolgerinnen. Beispiel: von 1988 -1996 war Ellen Schneider-Lenné stellvertretendes Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank, erste Frau in einem DAX-Vorstand. Der damalige Deutsche Bank Chef Kopper sagte: „Sie war unser bester Mann“. Danach blieben die Männer im Vorstand viele Jahre unter sich. Was sagt uns dieser Fall heute? Welche Rolle spielen Vorbilder? 

Vorbilder sind unheimlich wichtig, denn sie prägen unsere Vorstellung von dem, was möglich ist. Es gilt: „you can be what you can see“. Wir brauchen aber tatsächlich eine kritische Masse guter Vorbilder, damit sie nachhaltig wirken. Je mehr Frauen wir in verantwortlichen, gestaltenden Positionen sehen, desto mehr Frauen streben hinterher. Wir sehen das in Schweden, wo es schon viel mehr Frauen in den Positionen gibt – da entsteht eine ganz andere Dynamik, junge Frauen drängen mit viel größerer Selbstverständlichkeit in verantwortliche Positionen, weil sie nicht die absoluten Ausnahmen sind, die unter verschärfter Beobachtung stehen, wie es oftmals noch in Deutschland der Fall ist. Das ist ja auch eine extra Belastung, der Männer so nicht ausgesetzt sind

 

Wie lautet Ihr Vorschlag, die aufgrund der Chancengleichheit selbstverständliche Repräsentanz von Frauen und Vertreter/innen von Minderheiten in Vorständen zu gewährleisten, völlig unabhängig von ökonomischen Überlegungen? 

Was wir brauchen, ist eine Meritokratie, in der die Besten und Talentiertesten auch in die Positionen kommen. Das ist zurzeit noch nicht der Fall, wir beschreiben das als „Thomas-Kreislauf“: Thomas ist der häufigste Name in deutschen Vorständen und es gab dort bis vor kurzem mehr Thomasse und Michaels als Frauen überhaupt. Auf den oberen Hierarchieebenen fallen objektivierende Auswahlmechanismen weg, dadurch erhält das Bauchgefühl eine ungut starke Rolle: Männer tendieren dann dazu, Männer auszuwählen, die ihnen sehr ähnlich sind, weil sie ihnen den Job am ehesten zutrauen. So reproduziert sich ständig eine männliche Elite an den Unternehmensspitzen und Frauen, Ostdeutsche und Migranten fallen durchs Auswahlraster. Legen wir diese Ähnlichkeitsschablone zur Seite und gehen wirklich streng nach Qualifikation und Talent, ist das Ergebnis automatisch diverser. Und voraussichtlich auch besser.  

Im Übrigen ist die Korrelation von hohem Frauenanteil im Top-Management und Profit durchaus nachgewiesen, die größte Studie dazu hat das Peterson Institute for Economic Research in Washington 2016 durchgeführt. Die bessere Performance von Unternehmen mit gemischtem Top-Management wird auf bessere Entscheidungsfindung, bessere Kundenorientierung, höhere Innovationskraft und höhere Mitarbeiterzufriedenheit zurückgeführt – und auf die Fähigkeit, die besten Talente anzuziehen. 

Hier gelangen Sie zum ersten Teil des Interviews mit Dr. Wiebke Ankersen.

Hier gelangen Sie zum dritten Teil des Interviews mit Dr. Wiebke Ankersen.

Hier gelangen Sie zum vierten Teil des Interviews mit Dr. Wiebke Ankersen.


Das 5. Freiburger Unternehmer-Symposium am 22./23. September 2021 wird aufzeigen, warum Frauen oft besser in der Lage sind, den aus dem „Management by Objectives“ entstandenen transformationalen Führungsstil mit Leben zu füllen und bei Mitarbeitern Vertrauen, Loyalität und Inspiration aufzubauen.

Auf der Veranstaltung wird unter anderem Dr. Wiebke Ankersen ihre Erkenntnisse aus der AllBright-Studie vorstellen.

Das  5. Freiburger Unternehmer-Symposium findet digital statt. Die Moderation übernimmt Dr. Christoph Wirtz. Der Chefredakteur und Chef-Tester von Gault&Millau Deutschland steht für mit seinem Namen für einen kritischen, kompetenten und völlig unabhängigen Journalismus. 

 Auf der Zielgeraden der Programmgestaltung 2021 ist auch das Thema „Erfolgreiche Diversity in Organisationen“ besetzt: Prof. Dr. Isabell Welpe (Lehrstuhl für BWL – Strategie und Organisation an der Technischen Universität München) wird die neuesten Forschungserkenntnisse und auch internationale Benchmarks aus dem Unternehmenskontext vorstellen. Freuen Sie sich auf praxisnahe Empfehlungen, die den individuellen Wissenstransfer erleichtern! 

Mehr Informationen zum Symposium, ebenso die Möglichkeit zur Anmeldung, finden Sie hier

x