MINT-Mangel: Engpässe vor allem bei nicht-akademischen Fachkräften

20.10.14

Braucht Deutschland mehr Akademiker, um zukünftig trotz des demographischen Wandels wettbewerbsfähig zu sein? Der kürzlich erschienene MINT-Herbstreport 2014 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt jedenfalls, dass die Erhöhung der Akademikerquote allein das Problem des Fachkräftemangels nicht löst. Denn Engpässe gibt es vor allem in Ausbildungsberufen.

Im Herbst 2014 fehlen in Deutschland rund 75.000 nicht-akademische Fachkräfte in den MINT-Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Viele Firmen suchen händeringend Meister und Techniker – obwohl die Branche mit guten Bedingungen und Gehältern lockt. Die IW-Studie prognostiziert, dass diese Lücke sehr viel größer werden wird: 2020 könnten schon 1,3 Millionen nicht-akademische MINT-Kräfte fehlen. Diese Entwicklung bestätigt auch die Agentur für Arbeit in ihrer Fachkräfteengpass-Analyse 2014: „Mangelsituationen zeigen sich zunehmend nicht nur bei akademischen, sondern auch bei nichtakademischen Fachkräften“, heißt es dort nüchtern.

Vor allem im Bereich Maschinenbau sowie in Metall- und Elektroberufen gibt es zu wenige Fachkräfte. Dabei ist im Zeitraum von 2008 bis 2013 das Angebot an Ausbildungsstellen in den MINT-Berufen um 11,1 Prozent gestiegen. Das Problem: Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Bewerber nur um 5,2 Prozent zu. Die Autoren des Herbstreports fordern deshalb die Stärkung der MINT-Fächer an den Schulen und mehr Informationsbemühungen im Rahmen der Berufsorientierung. Zudem sollten mehr junge Erwachsene ohne abgeschlossene Ausbildung für MINT-Berufe gewonnen werden.

Für die Wirtschaftsforscher ist die Lage bei den Akademikern weniger dramatisch und zugleich leichter lösbar: Fehlen heute knapp 50.000 MINT-Kräfte mit Hochschulabschluss, werde sich die Zahl bis 2020 auf rund 70.000 erhöhen. Diese Lücke könne aber leicht geschlossen werden, wenn die Akademiker zukünftig ein Jahr länger arbeiten und weiterhin hoch qualifizierte Zuwanderer nach Deutschland kommen.