Kollegiales Benchmarking: Unternehmen lernen von Unternehmen

08.07.11

Unternehmen lernen von Unternehmen – das ist ein Grundgedanke des ddn. Dieser Lernprozess ist dann besonders erfolgreich, wenn ein persönlicher Austausch stattfindet. ddn unterstützt Unternehmen darin, miteinander in Kontakt zu treten, sich auszutauschen und voneinander zu lernen, wie sie die Herausforderungen des demographischen Wandels am Besten meistern. 

 


Eine Methode, wie Unternehmen beim Demographiemanagement voneinander lernen können, ist das Kollegiale Benchmarking. Beim Kollegialen Benchmarking werden bereits praktizierte Lösungen in einem kleinen Kreis vorgestellt und im Hinblick auf vorab definierte Kriterien diskutiert. Dadurch können Erfolgsfaktoren identifiziert und auf andere Kontexte übertragen werden. Ziel beim Kollegialen Benchmarking ist es also, Lösungsansätze zur Bewältigung der demographischen Herausforderungen zu vergleichen, in den Kontext einzuordnen und gemeinsam zu bewerten. Das bietet Unternehmen Orientierung für die weitere Arbeit, insbesondere bei neuen Ansätzen, die sich noch bewähren müssen. 

Im Interview erklärt ddn-Vorstand Vorstand Bengt Krauß, worauf es beim Kollegialen Benchmarking ankommt, wie Unternehmen von der Methode profitieren und wo ddn die Unternehmen bei der Umsetzung unterstützt. 


Warum sollten sich Personaler mit Personalern anderer Unternehmen austauschen?

Krauß: Weil beide Seiten davon profitieren. Die Methode des Kollegialen Benchmarkings fokussiert darauf, die Erfolgsfaktoren individueller betrieblicher Lösungen zu bewerten und zu überprüfen, wie sich diese Vorgehensweisen auf andere Unternehmen übertragen lassen. Jeder Beteiligte kann dann solche herausgearbeiteten Lösungsbestandteile auf seinen eigenen Kontext übertragen und in diesem Zusammenhang nutzen. Im Gegenzug erhält das präsentierende Unternehmen eine Reihe von Anregungen zur Verbesserung des eigenen Ansatzes. Darüber hinaus werden auch verdeckte Erfolgsfaktoren sichtbar, die in der unternehmensinternen Routine unbewusst eingesetzt werden. Dadurch können sie zukünftig bewusster gesteuert werden. 

Welche ersten Schritte sollte ein Unternehmen tun, wenn es Kollegiales Benchmarking als Teil des Demographiemanagements umsetzen möchte?

Krauß: Es sollte sich andere Unternehmen suchen, die sich mit dem demographischen Wandel auseinandersetzen und prüfen, ob eine Zusammenarbeit in Frage kommt. ddn verfügt über 16 regionale Netzwerke in Deutschland, die solche Kontakte anbieten und unterstützt seine Mitglieder bei der Vermittlung von Kontakten und beim Matching mit möglichen Partnerunternehmen. Darüber hinaus bietet ddn über seine Arbeitskreise einen Erfahrungsraum, um einen solchen Austausch über Unternehmensgrenzen hinweg zu erleben.

Wo kann Kollektives Benchmarking konkret aussehen?

Krauß: Wir nutzen Elemente dieser Methode beispielsweise bei unseren Treffen im ddn-Arbeitskreis „Führung und Unternehmenskultur“, indem wir immer einen Experten aus einem teilnehmenden Unternehmen bitten, einen aktuellen Fall aus seinem Umfeld vorzustellen. So haben wir die Möglichkeit eine konkrete Fragestellung und die dazugehörige unternehmensspezifische Lösung zu diskutieren und letztendlich auch zu bewerten.

Welche Erfahrungen wurden hier gemacht?

Krauß: Im Arbeitskreis haben wir beispielsweise über Führungskräfteentwicklung gesprochen. Dabei ging es auch um die Erfolgsfaktoren bei der Auswahl geeigneter Kandidaten. Solche Auswahlverfahren sollten „multimodal“ sein, also auf mehreren Einschätzungen beruhen und auf kompakte Anforderungsprofile setzen, die auch in der Praxis eingesetzt werden. Die Akzeptanz dieser Profile bei der Zielgruppe sind die  Erfolgsfaktoren solcher Auswahlverfahren. Mit der Methode des Kollegialen Benchmarkings haben wir diese Ergebnisse in zweistündigen Diskussionen erarbeitet. 

Ein offner Erfahrungsaustausch setzt Vertrauen voraus. Wie kann dieses Vertrauen so aufgebaut werden, dass Unternehmen offen über ihre Erfahrungen sprechen?

Krauß: Hier ist das Matching der beteiligten Unternehmen entscheidend. Obwohl sich individuelle betriebliche Lösungen nur selten direkt und vollständig in einen anderen Unternehmenskontext übertragen lassen, sollten die Unternehmen keine direkten Wettbewerber sein. Die Erfahrung zeigt auch, dass ein vergleichbarer Erfahrungshintergrund der Beteiligten und eine ähnliche hierarchische Ebene eine gute Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit darstellen.

Wie kann Kollegiales Benchmarking für einen größtmöglichen Erfolg genutzt werden?

Krauß: Neben der bereits erwähnten Vertraulichkeit braucht es eine systematische Vorgehensweise und eine strukturierte Moderation. Dennoch entscheiden natürlich die beteiligten Personen über die Qualität des Ergebnisses: Je kompakter und klarer ein Experte sein Thema einbringen kann, und um so umfangreicher das Fach- und Methodenwissen der Teilnehmer ist, um so größer ist die Chance für lösungsorientierte und konstruktive Ergebnisse. 


Weitere Informationen zum Kollegialen Benchmarking finden Sie in einem aktuell erschienen Artikel von Thomas Fleck und Bengt Krauß. Der Artikel beschreibt die Vorgehensweise beim Kollegialen Benchmarking und wie es als Methode zur Qualitätssicherung eingesetzt werden kann.

Thomas Fleck / Bengt Krauß (2011): Kollegiales Benchmarking. Kollegiales Benchmarking als Methode der Qualitätssicherung in der Demografieberatung. In: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): Qualitätssicherung in der Demografieberatung, Bielefeld: Bertelsmann Verlag. 

Kontakt: Bengt.Krauss@iltis.de