IW Köln fordert einen nationalen Demographierat

13.04.11

Demographie ist eine Gestaltungsaufgabe und sie kann durchaus positiv gestaltet werden, so Prof. Dr. Michael Hüther am 7. April 2011 in Berlin. Die wichtigste Botschaft lautet: Die Politik kann die Entwicklung steuern und Maßnahmen entwickeln, dem demographischen Wandel zu begegnen. Der Direktor des IW Köln umriss seine Vorstellungen einer nationalen Demographiepolitik. 

 


Eine nationale Demographiepolitik müsse Maßnahmen umsetzen, die schon in jungen Jahren ansetzen. Schließlich ist Altern ein Prozess, auf den Einfluss genommen werden kann und kein Zustand. Hüther plädierte dafür, Bildung als Recht, aber auch als Pflicht für alle Lebensalter einzuführen. Darüber hinaus forderte er ein koordiniertes politisches Handeln. Zum einen auf der föderalen Ebenen, die Bund, Länder und Kommunen umfasst. Zum anderen ressortübergreifend mit zentraler Führungsverantwortung. Zur Umsetzung dieser Leitlinien schlug Hüther ein Demographie-Benchmarking und die Einrichtung eines Nationalen Demographierats ein. Dieser könne zum Beispiel politische Fortschrittsziele definieren und eine Demographiefolgenabschätzung bei der Formulierung neuer Gesetze leisten.

Diese Ziele können nur durch eine Abkehr vom Defizitmodell erreicht werden. Ein Altersbild, das die vermeintlichen Schwächen des Alters in den Vordergrund rückt, ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen immer noch präsent und auch im deutschen Recht verankert. Negative und positive Diskriminierung aufgrund von Alter sollten vermieden und willkürliche Altersgrenzen, wie sie beispielsweise für bestimmte Berufe gelten, abgeschafft werden. „Was wir brauchen, ist ein realistisches Altersbild, das die Potenziale und die Gefährdungen gleichermaßen berücksichtigt“, so Hüther. 

Hüther sprach anlässlich der Veranstaltung „Altes Deutschland – Eckpunkte einer nationalen Demographiepolitik“ des IW Köln in Berlin. Zu den weiteren Rednern zählte auch Dr. Rolf Kroker, Leiter des Wissenschaftsbereichs Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik, der einen Ausblick auf makroökonomische Wachstumsperspektiven wagte. Zudem sprach Dr. Hans-Peter Klös, Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik zum Thema Fachkräftesicherung. Klös plädierte insbesondere für Bildungs- und Innovationsinvestitionen, eine Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Migranten, mehr Zuwanderung, sowie eine Erhöhung der Jahres- und Lebensarbeitszeit und der Beschäftigungsquoten. Allein diese Maßnahmen brächten einen erheblichen Zugewinn an Arbeitskräften.

Als Gast war auch Franz Müntefering anwesend, der betonte, dass Arbeitnehmer heute gesünder und fitter denn je sind und auch mit 70 noch nützlich für den Arbeitsmarkt sein können. Schließlich sollte eine längere Lebenserwartung und die Möglichkeit länger arbeiten zu können, auch als Privileg gesehen werden.