Ist die 75 die neue 65? – Eine Towers Watson Studie

04.03.14

2012 erlebte Europa einen historischen Einschnitt. Erstmals seit 40 Jahren sank der Prozentsatz der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter. Die Experten schätzen, dass dieser Rückgang bis 2060 andauern wird. 

Im Auftrag der Unternehmensberatung Towers Watson befragte die Londoner Economist Intelligence Unit (EIU) Führungskräfte von 480 europäischen Unternehmen, davon 56 aus Deutschland, wie sie sich auf den demographischen Wandel einstellen. 

Den meisten der befragten Führungskräfte ist bewusst, dass ihre Unternehmen sich neu organisieren müssen. Rund 43 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, dass ältere Beschäftigte mehr zusätzliche Leistungen einfordern werden, 35 Prozent erwarten eine zunehmende Flexibilisierung der Arbeit. Auch wenn solche Maßnahmen auf Ältere zielen, profitieren alle Beschäftigten davon. Etwa 56 Prozent der Unternehmen sind bereit, flexible Arbeitszeiten oder das Arbeiten von zu Hause möglich zu machen. Und 48 Prozent planen den Arbeitnehmern mehr Wahlmöglichkeiten bei ihren zusätzlichen Leistungen anzubieten.

Die Studie räumt auch mit zahlreichen Mythen über ältere Beschäftigte auf. So sagten 46 Prozent der befragten Führungskräfte, dass Ältere keinesfalls weniger produktiv als jüngere Beschäftigte wären (nur 22 Prozent bejahten diese Frage), und 42 Prozent beantworteten die Frage, ob sie weniger motiviert als jüngere sind mit nein (nur 23 Prozent mit ja). Und immerhin 45 Prozent zeigten sich überzeugt, dass ältere Beschäftigte mehr Fähigkeiten und Kenntnisse haben als jüngere. 

Für die Zukunft erwarten die befragten Führungskräfte, dass sich die Erwartungen an einen Arbeitsplatz verschieben werden. Nicht Geld, sondern die Lebensqualität steht im Mittelpunkt. Während 64 Prozent der Führungskräfte davon ausgehen, dass heute die Arbeitsplatzsicherheit die größte Sorge der Beschäftigten ist, erwarten sie für 2020 ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben auf Platz eins der Prioritäten. Grund dafür sind die erwarteten Verbesserungen des Wirtschaftsklimas und des Arbeitsmarktes. 

Beschäftigte werden künftig mehr Angebote für die Gesundheits- und Altersvorsorge von ihren Arbeitgebern erwarten. Das gaben  43 Prozent der befragten Führungskräfte an. Bezahlen dafür, so  55 Prozent, müsse dafür wohl der Arbeitgeber.

Mit der wirtschaftlichen Erholung Europas werden sich die Schwerpunkte in Unternehmen verändern. Rund 42 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass im Jahr 2020 das Personalmanagement und nicht mehr das Kostencontrolling die zentrale Rolle im Unternehmen spielen wird. Und 46 Prozent erwarten für das Jahr 2020, dass das Talentmanagement einer der Top Treiber für Veränderungen in ihrem Geschäft sein wird. Lediglich neue Technologien und die Globalisierung werden wichtiger sein.
Die Studie steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung.