Internationale Fachkonferenz - Was Sie in Berlin erwartet

06.02.14

Wir haben für Sie Thesen und Standpunkte einiger Referenten der Konferenz zusammengefasst.

Das vollständige Konferenzprogramm finden Sie hier.

 

PROF. CAROL BLACK

Alternde Belegschaften, der Kampf gegen Übergewicht und chronische Krankheiten sind die größten Herausforderungen, vor denen Unternehmen mit Blick auf den demografischen Wandel stehen. Psychische Erkrankungen spielen eine immer größere Rolle. Ursache dafür sind oft Führungsschwäche sowie Schwächen im Management und in der Unternehmensorganisation.
Unternehmen sollten in die Gesundheit ihrer Beschäftigten investieren. Wer gesund ist, arbeitet produktiver und zuverlässiger. Sie sollten sicher stellen, dass auch Beschäftigte mit geringeren Einkommen und Qualifizierung in Gesundheitsprogramme integriert sind.
Prof. Carol Black ist Medizinerin. Sie ist Rektorin am Newnham College in Cambridge und Beraterin des Gesundheitsministeriums England.

 

PROF. DR. BEATRICE I. J. M. VAN DER HEIJDEN

Starre Kategorien, wie ein Arbeitsleben verlaufen sollte, haben ausgedient. Beschäftigte haben heute sehr vielfältige Vorstellungen von Karriere. Um herauszufinden, wie individuelle Erwartungen und die Bedürfnisse des Unternehmens zusammengeführt werden können, müssen Unternehmen den offenen Dialog suchen.
Think-Aloud-Protokolle sind geeignete Instrumente, um Altersstereotype zu überwinden. Wenn Kriterien und Gründe für die Bewertung von Leistungen offen benannt sind, können Stereotype identifiziert und eliminiert werden.
Prof. Dr. van der Heijden lehrt am Institute for Management der Radboud University Nijmegen, der Open University in the Netherlands und an der Universität Twente, Niederlande

 

YVES BAROU

Unternehmen müssen kommende Herausforderungen antizipieren. Alter ist keine relevante Information für das Personalmanagement – von speziellen Themen wie Rente einmal abgesehen. Daher sollte das Alter nicht Bestandteil von Personaldatenbänken und Personalbewertungen sein. Das wäre ein probates Mittel, Altersstereotypen zu überwinden.
Mit Blick auf Beschäftigte zwischen 60 und 70 sollten Personalmanager auf Wissenstransfer und Teamwork drängen.
Yves Barou ist Vorsitzender des Europäischen HRD Circles und Vorsitzender der AFPA (Nationale Vereinigung für Erwachsenenbildung), Frankreich.

 

CHARLES DONKOR

Unternehmen sollten die demographische Zusammensetzung ihrer Belegschaft kennen. Ein Szenario, welche Auswirkungen die Weiterführung des Ist-Zustands auf Kapazitäten und Anzahl der Mitarbeiter in der Zukunft hat, identifiziert Handlungsbedarfe. Um künftige Lücken zu schließen, brauchen Unternehmen  langfristige Initiativen, die vom Vorstand ausgehen müssen.
Um Altersstereotypen zu überwinden, sollten Unternehmen zunächst verstehen, worin sich Baby Boomer, Generation X und Generation Y unterscheiden und worin sie sich ähneln. Sie sollten Programme entwickeln, um Teams zu mischen und ältere und jüngere Beschäftigte zusammenzubringen.
Charles Donkor ist Partner und Business Consultant bei PwC in der Schweiz.

 

ERIK HÄNDELER

Wenn Unternehmen über die zu hohen Lohnnebenkosten klagen, dann stecken dahinter meist steigende Krankheitsverluste. In der Gesundheit der Beschäftigten schlummern die größten Produktivitätsreserven. Wir sehen Gesundheit meist als Problem. Dabei ist eine verbesserte Gesundheitsvorsorge der wichtigste Problemlöser für die Wirtschaft. Früher waren Dampfmaschine und Computer wichtige Antreiber, um Ressourcen einzusparen. Diese Treiberrolle übernimmt künftig die Gesundheitsvorsorge. Weil Wirtschaft immer immaterieller wird, hängt Wohlstand zunehmend von seelischer, psycho-sozialer Gesundheit ab.
Erik Händeler ist Wirtschaftsjournalist, Buchautor und Zukunftsforscher. Er studierte an der LMU München Wirtschaftspolitik und Volkswirtschaft. Händeler veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter "Die Geschichte der Zukunft – Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen", "Kondratieffs Welt – Wohlstand nach der Industriegesellschaft" sowie das Hörbuch „Der Wohlstand kommt in langen Wellen“.

 

PROF. (EMER.) JUHANI ILMARINEN

Unternehmen sollten sich ein klares Bild der Altersstruktur ihrer Belegschaft für die nächsten fünf Jahre machen und den Work Ability Index (WAI) ermitteln. Darüber hinaus müssen sie ihre Führungskräfte dahingehend schulen, dass siedas Thema Erwerbsfähigkeit im Unternehmen selbst promoten und treiben.
Insgesamt sollten die Themen Alter und Altern präsenter. Indem vorhandene Einstellungen zum Alter auf den Prüfstand gestellt werden, Konzepte für Generationenmanagement entwickelt und insgesamt eine alters- und alternsfreundliche Arbeitsorganisation entwickelt wird. 
Prof. Juhani Ilmarinen ist für die JIC GmbH tätig und ist Professor am Finnish Institue of Occupational Health, University of Eastern Finland.

 

MARCO REICH

Netzwerke, um von den Besten Europas zu lernen - wer den demographischen Wandel nachhaltig meistern will, sollte Gelegenheiten suchen, anderen über die Schulter zu schauen. So können Personalmanager konkrete Maßnahmen kennen lernen und Wege prüfen, diese für ihr Unternehmen zu adaptieren.
Wie können stereotype Altersbilder überwunden werden? Durch Respekt für die Person, durch Wertschätzung der Fachkompetenz und Erfahrung. Durch Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen und durch den Freiraum, innerhalb definierter Rahmen vereinbarte Ziele eigenverantwortlich zu erreichen. 
Marco Reich leitet in der Audio AG die internationale Qualifizierung im Bildungswesen des Konzerns und ist Mitglied des ddn-Vorstands.

 

PROF. DR. CHRISTIAN STAMOV-ROSSNAGE

Das Alheilmittel gibt es nicht. Kleine Schritte, die parallel und in verschiedenen Feldern gemacht werden, helfen, den demographischen Wandel zu bewältigen. Beschäftigte sind intelligent, sonst wären sie ja nicht angeheuert worden. Daher sollten Unternehmen das offene Wort gegenüber Festtagsreden bevorzugen und auf Bottom-Up Strategien setzen, um alle Beschäftigten – bis hin zum obersten Management – bei der Bewältigung des demographischen Wandels ins Boot zu holen.
Wer Stereotype überwinden will, muss zunächst anerkennen, dass es sie gibt. Oft liefern sie Informationen über die Organisation, die bei der Weiterentwicklung von Führung und Personal hilfreich sein können. Altersgemischte Teams, interne “pro-age” Kampagnen und die Ermittlung eines “Altersklimas” in Mitarbeiterumfragen sind geeignete Instrumente, Stereotypen zu überwinden. 
Prof. Dr. Christian Stamov-Roßnagel ist Professor für Organisationspsychologie an der Jacobs Universität Bremen, Deutschland.

 

HOCHSCHULE KOBLENZ: DEMOGRAPHISCHER WANDEL IST NICHTS FÜR FEIGLINGE

Der Titel ist Programm. Für ihr Theaterstück "Demografischer Wandel ist nichts für Feiglinge" wurde die Hochschule Koblenz ausgezeichnet. Sie gewann den bundesweiten Hochschulwettbewerb „Den demografischen Wandel gestalten – aber wie? Nachwuchswissenschaftler kommunizieren ihre Arbeit“ im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2013.
Sabine Link aus dem Fachbereich Sozialwissenschaften und die freie Theatergruppe „Die Findlinge“ hatten nach Ansicht der Jury die Forschungsergebnisse zum Demografischen Wandel am anschaulichsten und kreativsten für die Öffentlichkeit aufbereitet. Dass das stimmt, beweisen die Wettbewerbssieger jetzt auf der internationalen ddn-Fachkonferenz im Februar in Berlin. Denn dort werden sie ihr Theaterstück im Rahmenprogramm der Konferenz live aufführen.

DEMOGRAPHISCHER WANDEL AUF DEM CATWALK

„Think out of the box!“ – das ist der fast schon programmatische Titel einer Modenschau, die auf der internationalen ddn-Fachkonferenz im Februar in Berlin zu sehen ist. Die Modenschau präsentiert Upcycling Mode, die eigentlich schon ausrangierte Textilien neu verarbeitet und veredelt. Die Models, die diesen neuen Trend präsentieren, sind zwischen 20 und 60 Jahre alt. Und sie beweisen, dass Mode noch spannender wird, wenn Menschen unterschiedlichen Alters sie präsentieren.
„Wir wollen die Teilnehmer unserer Konferenz einladen, „out-of-the-box“ zu denken, Stereotype aufzubrechen und den Blick auf die Potentiale zu lenken, die Beschäftigte jeden Alters haben“ erläutert Victoria Büsch, Professorin an der SRH Hochschule Berlin und Mitglied im ddn-Vorstand.