Im Alter nicht die Neugier verlieren

01.04.11

Auf der Mitgliederversammlung des ddn hielt der bekannte Journalist, Fernsehmoderator und Hochschuldozent Prof. Dr. Dieter Kronzucker einen Vortrag über die Herausforderungen der alternden Gesellschaft. Seine These: Der gesellschaftliche Fortschritt hinkt dem medizinischen hinterher. Im Interview schildert er ddn-Redakteur Pascal Frai die Hintergründe seiner Position.

 



Frai: Herr Kronzucker, was hat Sie motiviert, heute einen Vortrag auf der ddn-Mitgliederversammlung zu halten? Wo genau liegt ihre Verbindung zum Thema „demographischer Wandel“?

Kronzucker: Mich interessiert vor allem die Altersforschung. Es stehen bahnbrechende medizinische Erfolge in Aussicht, die das Leben verlängern helfen. Nun sind die gesellschaftlichen Institutionen am Zug, sich der Alterung zu stellen. Um einem Generationenkonflikt entgegen zu wirken, kommt es dabei auch darauf an, dass Alt und Jung ins Gespräch finden. Diese Thesen wollte ich gern in das ddn tragen. 

Frai: Wie gut sehen Sie Deutschland im internationalen Vergleich auf die Herausforderungen der alternden Gesellschaft vorbereitet?

Kronzucker: In Deutschland wird bei diesem Thema zu stark auf den Staat geschaut, der Dinge richten soll. Eine wichtige Komponente ist jedoch Solidarität zwischen den Gesellschaftsmitgliedern. Die ist in- und außerhalb des Familienverbandes in anderen Teilen der Welt stärker ausgeprägt. Keine Frage: Aus medizinischer Sicht kann man in Deutschland sehr gut alt werden – aus gesellschaftlicher Sicht dagegen eher nicht.

Frai: Was muss sich ändern?

Kronzucker: Da ist zunächst die Herausforderung, die Solidarität zu stärken, etwa die zwischen den Generationen. Daneben gibt es in Deutschland den Hang, Menschen zu stark hinsichtlich ihres kalendarischen Alters zu beurteilen. Das ist sehr relativ, wenn man genau hinschaut. Der eine ist mit 60 möglicherweise gesundheitlich schon etwas eingeschränkt, der andere im gleichen Alter rundum fit und voller Tatendrang.

Frai: Führt nicht genau das ein einheitliches Renteneintrittsalter ad absurdum?

Kronzucker: In der Tat! Ob jemand mit 49 oder 73 in  Rente geht, sollten wir dem Betroffenen selbst überlassen. Beides sollte möglich sein.

Frai: Was können ältere Beschäftigte selbst tun, um ihre Position am Arbeitsplatz zu verbessern?

Kronzucker: Leider verlieren Ältere mit der Zeit vielfach ihren Antrieb und ihre Neugier. Statt sich zurück zu ziehen und auf die bisherige Lebensleistung zu verweisen, sollten sich Ältere fragen: Was leiste ich eigentlich im Augenblick? Was kann ich heute im Rahmen meiner Möglichkeiten beitragen?

Frai: Herr Kronzucker, ich bedanke mich für das Gespräch!