Gute Führung: Netzwerke werden immer wichtiger

12.12.14

Zunehmende Unplanbarkeit von Führungsaufgaben, das ist für Bengt Krauß, Leiter des ddn-Arbeitskreises "Führung und Unternehmenskultur", die wichtigste Erkenntnis einer aktuellen Studie  des Bundesarbeitsministeriums und der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Im Interview erläutert Bengt Krauß, welche Erkenntnis Führungskräfte aus der Studie ziehen können.

 

 

Was ist für Sie die wichtigste Erkenntnis der Studie?

Die wichtigste Erkenntnis ist sicherlich, dass die Planbarkeit von Führungsaufgaben verlorengeht. Führungskräfte erleben, dass sie sich nicht mehr systematisch auf ihre Arbeit vorbereiten können, sondern intuitiv und spontan handeln müssen, so dass Führung im Grunde genommen zu einem spontanen Suchprozess nach den besten Lösungen wird. An die Stelle der klassischen Managementfragen, nach dem Ziel und der Strategie, treten zunehmend zwei völlig neue Fragen, nämlich „Mit wem kann ich was erreichen?“ und „Wozu will ich das überhaupt erreichen?“. Also die Fragen nach der Anbindung an Netzwerke, an Kollegen und Mitarbeiter sowie nach dem Sinn und Zweck des eigenen Handelns. 

Was hat Sie an den Studienergebnissen überrascht?

Überraschend war, dass der Großteil der Führungskräfte die Führungspraxis in Deutschland als nicht mehr im Einklang mit den selbst wahrgenommenen Anforderungen erlebt. Das heißt, Führungskräfte erleben eine Diskrepanz zwischen der Alltagsrealität ihrer Führung und ihrem inneren Anspruch an Führungsqualität. Das haben mehr als Dreiviertel der von uns befragten Führungskräfte gesagt.

Was können Führungskräfte aus der Studie für Ihre eigene Arbeit mitnehmen?
Das ist Teil der Aufgabe, die wir auf der Basis der Ergebnisse jetzt versuchen herauszuarbeiten. Ein Ergebnis ist, dass althergebrachte Führungserfahrung und -modelle offenbar nicht mehr funktionieren. Daher gilt es jetzt ein neues Führungsverständnis zu entwickeln. Zentraler Punkt dabei ist, dass Situationen und Informationen immer schneller bewertet werden müssen. Das funktioniert am besten, wenn ich mir ein möglichst großes Netzwerk von Informationsgebern aufbaue, von Menschen, die Informationen bewerten und die sich an kreativen Lösungsfindungsprozessen beteiligen. Als Führungskraft  muss ich mich künftig auf ein Netzwerk verlassen können, das mir bei der Entscheidungsfindung hilft.

Welche neuen oder zusätzlichen Anforderungen stellt der demographische Wandel
und eine alternde Belegschaft an Führungskräfte?

Der demographische Wandel ist zunächst nur eine von vielen verschiedenen Umfeld-Dynamiken, die in Unternehmen und andere Organisationen als Veränderungen und Unsicherheit erlebt werden. Ganz konkret kann man allerdings sagen, dass beispielsweise das Thema Seniorität als Führungsprinzip durch eine alternde Belegschaft in Frage gestellt wird. Gleichzeitig ist positiv zu bewerten, dass die Anzahl der Erfahrungsträger zunimmt. Denn Erfahrung als kontextgebundenes Wissen wird immer wichtiger. 

Welche Rolle spielt die Studie für die Arbeit des ddn-Arbeitskreises "Führung
und Unternehmenskultur"?

Wir werden die Studie einigen regionalen Netzwerken vorstellen, die darum gebeten haben. Und wir werden bei der Gelegenheit die Ergebnisse auch mit dem Arbeitskreis diskutieren. Der Arbeitskreis bietet eine ideale Basis und einen Experimentierraum, um Alternativen und Möglichkeiten im kollegialen Gespräch zu erörtern und durchzusprechen. Nicht zuletzt die Frage: Wie gehe ich als Führungskraft mit der zunehmenden Unsicherheit um?

Mehr zur Studie erfahren Sie hier