Frauen im Wettbewerb

10.05.21

Teil 4: Frauen im Wettbewerb

Es geht oft um die interessante Aufgabe


Anlässlich des 5. Freiburger Unternehmer-Symposiums hat ddn-Vorstandsvorsitzender Rudolf Kast ein großes Interview mit  Dr. Wiebke Ankersen geführt. Im dritten Teil geht es darum, dass die Unterschiede zwischen Männern und Frauen häufig als Defizit wahrgenommen werden - und dass sich das ändern muss. 

Dr. Wiebke Ankersen führt seit 2016 als Geschäftsführerin gemeinsam mit Christian Berg die AllBright Stiftung in Berlin. Die gemeinnützige deutsch-schwedische Stiftung engagiert sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft. Sie präsentiert Fakten, sensibilisiert und fordert von den Unternehmen konkrete Ergebnisse bei der Erhöhung des Frauenanteils in den Führungsteams ein.

 

 

 

 

Niederländische Wissenschaftler haben in einem Forschungsprojekt mit der Spielshow "Deal or No Deal" untersucht, wie unterschiedlich Männer und Frauen sich verhalten im Spiel um Geld. Frauen sind im Ergebnis doppelt so häufig wie Männer vorzeitig aus der Show ausgestiegen. Trafen Männer auf weibliche Gegenspieler, spielten sie aggressiver und wählten seltener den Spielausstieg als gegen gleichgeschlechtliche Opponenten. Die Forscher meinten, diese Phänomene ließen sich auf das Berufsleben übertragen und können die zahlenmäßige Überlegenheit von Männern auf höheren Karrierestufen mit erklären. Nur rund 18 Prozent Frauen leiten weltweit ein Unternehmen. Schrecken Frauen auch Ihrer Einschätzung nach häufig vor dem Wettbewerb zurück? 

Frauen wollen führen und sie scheuen auch nicht vor schwierigen Entscheidungen zurück. Häufiger als Männer aber wollen sie das nicht um jeden Preis. Es geht ihnen oft um die interessante Aufgabe und nicht so sehr darum, sich im Wettbewerb mit anderen durchzusetzen. Dahinter steht natürlich auch eine gesellschaftliche Erwartungshaltung, die man nicht unterschätzen darf. Männer definieren sich in unserer Gesellschaft noch immer sehr stark über den beruflichen Erfolg, Frauen haben da mehrere Optionen – und die ergreifen sie auch, wenn sie attraktiver sind. Für Männer sind diese Möglichkeiten tatsächlich begrenzter, weil gesellschaftlich noch nicht so akzeptiert. 

 

Jüngste Studien belegen, dass immer weniger Menschen Lust auf Führungsverantwortung haben. Bei Frauen wirken sich hier auch die gestiegenen Belastungen (Familie, Beruf) in Pandemie-Zeiten aus? Welche Eindrücke haben Sie bezüglich der Motivation der Frauen zur Führungsverantwortung?  

Unser Eindruck ist, dass sich die Ambitionen von Männern und Frauen in der jüngeren Generation hier zunehmend angleichen. Inzwischen sind ja tatsächlich auch immer weniger Männer bereit, sich den Anforderungen einer Karriere auszusetzen, die überlange Präsenzzeiten im Büro und ständige Verfügbarkeit für den Arbeitgeber bedeuten. Für den Beruf auf sein Privatleben fast komplett verzichten zu müssen, schreckt ab. Wir sehen das als eine gesunde Entwicklung, die die Arbeitgeber zwingt, umzudenken und einen Kulturwandel in Angriff zu nehmen. In Schweden ist dieser Schritt in der Arbeitswelt bereits vollzogen und es hat sich eine gesunde Work-Life-Balance durchgesetzt, wo es keine festen Meetings nach 16 oder 17 Uhr gibt und der Chef gut sichtbar für alle pünktlich das Büro verlässt, damit alle anderen auch mit gutem Gewissen Feierabend machen können. Das Schöne ist, dass die Produktivität der schwedischen Unternehmen nicht darunter gelitten hat, im Gegenteil. Die schwedische Wirtschaft wächst stärker als die deutsche und die Schweden sind insgesamt zufriedener mit ihrem Leben: eine absolute Win-Win-Situation, denn unter dieser Voraussetzung streben in Schweden seit langem auch viel mehr Frauen in Führungspositionen.  

Hier gelangen Sie zum ersten Teil des Interviews mit Dr. Wiebke Ankersen.

Hier gelangen Sie zum zweiten Teil des Interviews mit Dr. Wiebke Ankersen.

Hier gelangen Sie zum dritten Teil des Interviews mit Dr. Wiebke Ankersen.


Das 5. Freiburger Unternehmer-Symposium am 22./23. September 2021 wird aufzeigen, warum Frauen oft besser in der Lage sind, den aus dem „Management by Objectives“ entstandenen transformationalen Führungsstil mit Leben zu füllen und bei Mitarbeitern Vertrauen, Loyalität und Inspiration aufzubauen.

Auf der Veranstaltung wird unter anderem Dr. Wiebke Ankersen ihre Erkenntnisse aus der AllBright-Studie vorstellen.

Das  5. Freiburger Unternehmer-Symposium findet digital statt. Die Moderation übernimmt Dr. Christoph Wirtz. Der Chefredakteur und Chef-Tester von Gault&Millau Deutschland steht für mit seinem Namen für einen kritischen, kompetenten und völlig unabhängigen Journalismus. 

 Auf der Zielgeraden der Programmgestaltung 2021 ist auch das Thema „Erfolgreiche Diversity in Organisationen“ besetzt: Prof. Dr. Isabell Welpe (Lehrstuhl für BWL – Strategie und Organisation an der Technischen Universität München) wird die neuesten Forschungserkenntnisse und auch internationale Benchmarks aus dem Unternehmenskontext vorstellen. Freuen Sie sich auf praxisnahe Empfehlungen, die den individuellen Wissenstransfer erleichtern! 

Mehr Informationen zum Symposium, ebenso die Möglichkeit zur Anmeldung, finden Sie hier

 

x