Flüchtlinge und der demographische Wandel

05.09.15

In diesem Jahr kommen bis zu 800.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Ein Vergleich der Altersstruktur von Deutschen und Flüchtlingen zeigt: Die Antragsteller für Asyl sind jünger als die Bevölkerung Deutschlands. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sind 16 Prozent aller Deutschen unter 17 Jahren alt. Bei den Asylantragstellern im vergangenen Jahr fallen 32 Prozent in diese Altersgruppe. Auch ist lediglich ein Prozent aller Asylantragsteller 2014 über 65 Jahre alt – in der deutschen Bevölkerung sind es 21 Prozent. Doch darf bei diesen Zahlen nicht vergessen werden, dass die meisten Flüchtlinge zunächst einmal die deutsche Sprache lernen müssen – sie stehen also dem Arbeitsmarkt nicht sofort zur Verfügung.

Können die Flüchtlinge den Fachkräftemangel in Deutschland mindern? Der Bevölkerungswissenschaftler Professor Herwig Birg fordert in einem Interview mit dem Nachrichtensender N24  eine Zuwanderung von mindestens 3,5 Millionen Flüchtlingen jährlich, weil auch die Zuwanderer nicht immer 30 Jahre alt blieben, sagt der Wissenschaftler.

Die Chancen für die Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt stünden nicht schlecht, sagt Alexander Spermann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Spermann ist ddn-Arbeitskreisleiter und Arbeitsmarktdirektor für Deutschland am Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA). In Deutschland fehlten Fachkräfte, sagt Sperman. Es sei zwar keineswegs so, dass unter den Flüchtlingen ausschließlich Fachkräfte seien, aber auch für weniger qualifizierte Arbeitskräfte gebe es reichlich Bedarf in Deutschland.

Das ddn-Mitglied Deutsche Bahn hat Ende August in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit zwei regionale Ausbildungsprojekte für erwachsene und jugendliche Flüchtlinge gestartet, um die Integration von Asylbewerbern zu fördern. Die Kampagne läuft unter dem Motto: "Willkommenskultur, Qualifizierung und Integration". "Wir sollten und müssen uns als Wirtschaft insgesamt mehr um dieses Thema kümmern", sagte der Personalvorstand der Deutschen Bahn, Ulrich Weber, dem Berliner "Tagesspiegel". "Nicht nur, weil wir gesellschaftliche Verantwortung tragen, sondern auch aus eigenen, wenn Sie so wollen unternehmerischen Interessen."