Familienorientierte Personalpolitik als Standortfaktor nutzen

14.11.11

Lediglich die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in Deutschland arbeitet in Vollzeit – als Grund hierfür nennt fast ein Drittel die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen. Zwar gibt es familienbewusste Maßnahmen inzwischen in zahlreiche Unternehmen, dennoch besitzt das Thema selten die höchste Priorität. Warum das so ist und wie Unternehmen und Regionen mittels familienorientierter Standortpolitik Wettbewerbsvorteile herausarbeiten können, stand am 9. November im Mittelpunkt eines Kongresses des ddn Regionalnetzwerks Südbaden in Kooperation mit dem baden-württembergischen Ministerium für Finanzen und Wirtschaft sowie der IHK Südlicher Oberrhein. Unter dem Titel „Fachkräftesicherung durch familienorientierte Unternehmenspolitik - vom „Gedöns“ zum Standortfaktor!“ sammelten rund 200 Besucher im Konzerthaus Freiburg Argumente und Anregungen für neue Wege im Personalmanagement.

„Selbst in attraktiven Berufen, die in attraktive Unternehmen und ebenso attraktive Regionen eingebettet sind, haben wir heute einen Fachkräftemangel zu verzeichnen. Hier müssen wir dringend mit mehr Familienorientierung gegensteuern“, rief Bärbel Höltzen-Schoh, Leiterin der Arbeitsagenturen in Freiburg und Offenburg den Kongressteilnehmern zu. Auch Daniel Rousta stellte als Vertreter des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums heraus, dass Familienorientierung längst ein harter Standortfaktor sei. Wer Beschäftigten entsprechende Angebote mache, profitiere unter anderem von einem besseren Betriebsklima, einer stärkeren Unternehmensidentifizierung und einem positiven Arbeitgeber-Image.

Als Ansatzpunkte konkreten Handels nannte Prof. Dr. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen ein ganzes Spektrum an Instrumenten. Dieses spannt sich von flexiblen Arbeitszeitmodellen, langfristiger Karriereplanung und Qualifizierungsangeboten während der Familienzeiten bis hin zu  Kontakthalte- und Wiedereinstiegsprogrammen. Hinzu kommen müsse die Sensiblisierung von Vorgesetzten sowie die Akzeptanz von Patchworkbiographien im Unternehmen. Wie das in der Praxis funktioniert, wurde beim Kongress in mehreren Impulsrunden vorgestellt. Vertiefende Informationsangebote gab es außerdem an zahlreichen Ständen der Kongresspartner.

„Das ddn-Regionalnetzwerk Südbaden hat heute erfolgreich Impulse setzen können – nun kommt es darauf an, die vorgestellten Instrumente dauerhaft im Unternehmen zu verankern“, zog Kongressorganisator und ddn-Vorstand Rudolf Kast am Ende der Veranstaltung ein positives Fazit. Wie es gelingen kann, das Thema familienorientierte Unternehmenspolitik weiterhin im öffentlichen Bewusstsein zu halten, stellte Sofie Geisel als Projektleiterin des Netzwerks „Erfolgsfaktor Familie“ in ihrem Schlussvortrag heraus: „Wir brauchen neue Fragen zu den alten Themen, weniger übereiltes Schulterklopfen und stattdessen neue intelligente Messgrößen, die aufzeigen, wie weit wir bei dem Thema tatsächlich sind“.

Weiterführende Informationen wie Präsentationen und Vorträge zum Kongress finden ddn-Mitglieder im Intranet.