Fachkräftedebatte: ddn-Vorsitzender Dr. Jürgen Pfister wirbt in Bundestagsanhörung für einen neuen Blick auf ältere Beschäftigte

22.02.11

Am 21. Februar 2011 hat der Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales Sachverständige zum Thema Fachkräftemangel angehört. Vertreter renommierter Verbände und Organisationen, unter anderem der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des DIHK, des DGB und der Bundesagentur für Arbeit schilderten ihre Einschätzung. Gefragt waren auch die Empfehlungen des Demographie Netzwerks. ddn-Vorstandsvorsitzender Dr. Jürgen Pfister bekam als geladener Sachverständiger Gelegenheit, seine Positionen Vertretern aller Bundestagsfraktionen und der Bundesregierung zu erläutern.

 



Deutschland steht nach Einschätzung vieler Experten vor einer Fachkräfteknappheit in bestimmten Branchen und Regionen. Das betrifft vor allem Engpässe im Elektro- und Maschinenbauingenieurswesen sowie im medizinischen Bereich. Auch wenn es unterschiedliche Auffassungen gab, wie ausgeprägt der Fachkräftemangel ist, bestand Einigkeit darin, dass das vorhandene Potenzial gehoben werden muss.

„Die Zeit ist reif für einen Paradigmenwechsel“, sensibilisierte Jürgen Pfister in der Anhörung für einen neuen Blick auf ältere Beschäftigte. Die Vorstellung Alter und Arbeit seien unvereinbar, ist nicht länger zeitgemäß. Vielmehr werde die Integration älterer Arbeitnehmer und die Verlängerung der Beschäftigungsfähigkeit das zentrale Thema der nächsten Jahre. In der Vergangenheit seien zum Teil falsche Anreize gesetzt worden, die auf eine geförderte Frühverrentung abzielten. Unternehmen kämen schon allein aus eigenem Interesse nicht umhin, Abstand von der Frühverrentung zu nehmen und Maßnahmen umzusetzen, die eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung fördern. Denn, so Pfister: Fachkräfte werden knapp, die durchschnittliche Belegschaft wird älter und Menschen arbeiten zukünftig länger.

Deutlich machte der ddn-Vorsitzende auch, dass beim Übergang in die Rente zwischen Arbeit und Rente kein künstlicher Trennungsstrich gezogen werden dürfe. „Gleitende Übergänge in die Rente geben Unternehmen die Chance, den Wissenstransfer besser zu managen, das Know-how der Älteren im Unternehmen zu halten und auf Bedürfnisse und Verpflichtungen ihrer Beschäftigten eingehen zu können“, unterstrich Pfister. Starre Altersgrenzen seien hingegen weder gerecht noch umsetzbar. Die Entscheidung, wann jemand aus dem Erwerbsleben austritt, falle im Laufe des gesamten Arbeitslebens. Für den Erhalt der Arbeitsfähigkeit im hohen Alter würden schon am Anfang einer Berufslaufbahn die Voraussetzungen geschaffen. 

Die meisten der geladenen Sachverständigen, unter Ihnen auch Prof. Dr. Ursula Engelen-Kefer oder der Gerontologe Prof. Dr. Andreas Kruse waren sich einig: Eine nachhaltige Strategie gegen Fachkräftemangel setzt auf eine lebenszyklusorientierte Personalpolitik, die Weiterbildung und Gesundheitsmanagement von Anfang an ins Erwerbsleben integriert, so dass Arbeitnehmer in die Lage versetzt werden, länger gesund zu arbeiten. Gerade im Bereich der Weiterbildung gibt es eine unterdurchschnittliche Beteiligung Unterqualifizierter, Älterer und atypisch Beschäftigter.

Die Politik sollte deswegen dort Anreize schaffen, wo Probleme effektiv und nachhaltig gelöst werden können. Hier empfahl Pfister vor dem Ausschuss insbesondere eine verstärkte (z.B. steuerliche) Förderung des betrieblichen Gesundheitsmanagements sowie der alterns- und salutogenetischen Gestaltung von Arbeitsbedingungen.

In der Fragerunde wurde deutlich, dass die Sachverständigen sich größtenteils darin einig waren, dass nur eine integrierte Gesamtstrategie eine wirksame Lösung bieten kann. Neben dem Zuzug und der leichteren Anerkennung ausländischer Abschlüsse, heißt das vor allem, dass das bereits vorhandene Erwerbspotenzial besser ausgeschöpft werden müsse. 

Die Anträge der Fraktionen und die schriftlichen Stellungnahmen der Sachverständigen zum Fachkräftemangel stehen ddn-Mitgliedern im Intranet zur Verfügung.

Die in die Anhörung eingebrachte ddn-Position zum Fachkräftemangel finden Sie  hier

Das Wortprotokoll zur Anhörung finden Sie  hier