Erstes DDP-Initiator*inneninterview mit Markus Heinen von EY

07.01.21

„Digitalisierung erfindet das tägliche Zusammenleben und -arbeiten neu“

 

Der Deutsche Demografie Preis lebt von den Menschen, die ihn initiieren, tragen, fördern und gestalten. Den Initiatoren*innen des Preises wollen wir in einer kleinen Interview-Serie Raum geben, sich mit ihren Zielen, ihrer Motivation und Vision vorzustellen. Jede*r von ihnen steht dabei für eine der sieben fachlichen Kategorien, in denen der Deutsche Demografie Preis 2021 verliehen wird. Markus Heinen ist Leiter People Advisory Services bei EY (Ernst & Young) und beschreibt die Chancen der Digitalisierung für die Herausforderungen des demografischen Wandels.

 

 

 

Herr Heinen, welche Ziele und Wünsche verknüpfen Sie als Mitinitiator mit dem Deutschen Demografie Preis 2021?

Wir möchten den demografischen Wandel und seine Folgen stärker ins Bewusstsein rücken und anhand von positiven Beispielen zeigen, wie seinen Herausforderungen begegnet werden kann. Raus aus dem Nischendasein, rein ins Zentrum von Organisationen und Unternehmen. Wer sich heute schon damit beschäftigt, wird gegenwärtig und in der Zukunft davon profitieren. Die Auszeichnung der Leuchtturmprojekte soll anderen helfen, sich dem Thema zu nähern.

 

Sie sind Repräsentant der Kategorie „Chancen der Digitalisierung“. Was sehen Sie als die größten Potenziale der Digitalisierung an, um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern?

Insgesamt bringt die Digitalisierung uns allen erhebliche Erleichterungen. Zum Beispiel können wir heute schon eine Vielzahl sich wiederholender Prozesse automatisieren, neue Formate wie Blended-Learning anbieten und vor allem das Leben einfacher und innovativer gestalten. Die Vernetzung über Generationen hinweg wird vereinfacht, der Zugang zu Informationen erleichtert und insbesondere Wissensarbeitende können ihr volles geistiges Potenzial bis ins hohe Alter einbringen. Das ist eine große Gruppe von Menschen, denen damit ganz neue Möglichkeiten eröffnet werden. Großes Potenzial der Digitalisierung sehe ich auch in der Befähigung von Mitarbeitenden, die durch gewonnene Zeit anderen innovativen Themen nacheifern können und vielleicht ihren eigenen Purpose für sich erfüllen können.

 

Wie erleben die Mitarbeitenden in Ihrem Unternehmen die Chancen der Digitalisierung?

Viele Services, die wir bei Kunden erbringen oder auch intern nutzen, werden durch Tools unterstützt, die auf Künstlicher Intelligenz oder Machine-Learning-Basis beruhen. Unsere Mitarbeitenden sehen zum großen Teil positive Chancen, die uns durch die Digitalisierung aufgezeigt werden, da vor allem die individuelle Arbeit unterstützt und entlastet wird. Das flexible Arbeiten wird erleichtert und die Chance der besseren und agileren globalen Kollaboration wird sehr geschätzt. Auch Reverse Mentoring spielt eine Rolle, bei dem jüngere Digital Natives ihre Fähigkeiten mit den älteren Kollegen*innen teilen. Digitalisierung erfindet das tägliche Zusammenleben und -arbeiten neu, was sehr befruchtend ist.

 

Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung in einigen Bereichen (notgedrungen) Vorschub geleistet, vor allem hinsichtlich der digitalen Vernetzung und Kommunikation. Welche Hoffnungen haben Sie für die Digitalisierung im New Normal „nach“ Corona?

Meine Hoffnung ist, dass die „notgedrungene Digitalisierung“ nicht bei der Einführung von digitalen Tools stehen bleibt, sondern wir Arbeit grundsätzlich neu und weiterdenken. Ich denke beispielsweise an neue (Zusammen-)Arbeitsmodelle, mehr Nachhaltigkeit und Diversity sowie einen Purpose, hinter dem sich die Menschen versammeln können. Außerdem wünsche ich mir, dass neben der Digitalisierung auch dem Thema Innovation offener gegenübergestanden wird und Initiativen unterstützt werden. Zwei Drittel der Jobs unserer Kinder im Jahr 2035 gibt es noch gar nicht, und hier wird die Digitalisierung mit ganz großem Anteil neue Berufsbilder schaffen. Die Digitalisierung wird uns langfristig den Weg zum Erfolg ebnen und sollte als „default mode“ für das Entwickeln von Lösungen dienen. Am wichtigsten dabei ist, dass wir nie die Menschen dahinter vergessen – diese sind und bleiben die Wichtigsten auch im Zeitalter der Digitalisierung.

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