Ein neues Format an einem besonderen Ort - Geschichten exzellenter Arbeitgeber

08.09.19

Das UVB Personalforum lud gemeinsam mit dem ddn e.V. (Das Demographie Netzwerk) zum ersten Erzählsalon auf die Dachterrasse der Hochschule des Bildungswerkes der Wirtschaft (bbw) ein.

Unter der Überschrift „Es ist noch kein perfektes Unternehmen vom Himmel gefallen“ hatten sich acht Geschäftsführende bzw. Personalverantwortliche bereit erklärt, die mehr als 30 Zuhörer und Zuhörerinnen an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen. Wie wird man ein exzellentes Unternehmen? Welche Unternehmenswerte führen zum Erfolg? Was hat sich für mich als Führungskraft verändert?

Ein Erzählsalon ist eine lebendige Form des Wissenstransfers

Das Format ermöglicht,  Unternehmensgeschichten ohne Unterbrechungen zu entwickeln und dabei eigene Lernerfahrungen zu reflektieren. Moderiert wurden die Ausführungen von der Salonnière Uta Sadowski Lehmann, ddn. Mit großer Aufmerksamkeit und viel Wertschätzung begleitete sie jeden einzelnen Beitrag.

„Heute erwartet Sie ein neues Format, einmal ganz ohne Power-Point-Folien und HR-Schlagworten“, so eröffnete Sven Weickert, Geschäftsführer der UVB, den Nachmittag. Und gespannt lauschten die Gäste dann anderthalb Stunden aufmerksam und konzentriert.

Wie misst man Unternehmenskultur?
Das war eine Frage, die sich Andreas Schubert, Geschäftsführer von Great Place to Work stellte, als er gemeinsam mit Partnern darüber nachdachte, ein Unternehmen zur „Bewertung von Unternehmen“ zu gründen. Vertrauen als wichtigste Konstante ist das wesentlichste Kriterium für eine gute Unternehmenskultur, so seine Botschaft.

Frank Grädler der Firma Grädler Fördertechnik GmbH konnte dies aus seiner langjährigen Geschäftsführungstätigkeit bestätigen. „Menschen sollten sich öfter in den Armen liegen“ – eine ungewöhnliche Botschaft, die aber zeigt, dass ein wirkliches Miteinander und damit Freude an der Arbeit und den Kolleginnen und Kollegen elementar für ein gutes Klima sind.

Führung bedeutet Verantwortung und ist eine Herausforderung. Nicht jeder ist dieser auch gewachsen. Oft führen falsche Entscheidungen bezüglich einer Führungskraft zu Unzufriedenheit auf beiden Seiten, bei der Führungskraft und bei den Kollegen. Wie es gut gelingen kann, eine Führungskraft zurück in die Reihen der Mitarbeiter zu führen, berichtete Michael Wüstenhagen, Prokurist von Frehe+Watzl Therapie GmbH. „Mitarbeiter müssen dort eingesetzt werden, wo sie sein sollten“, und sie müssen ohne Gesichtsverlust auch wieder von einer Führungsposition entbunden werden können, so sein Statement.

Unternehmen im Handel unterliegen besonderen Herausforderungen. Der Wettbewerb ist groß, die Fluktuation oft hoch. Wie es einem REWE-Markt gelungen ist, kaum Fluktuation zu haben, auch in aktuell schwierigen Zeiten offene Stellen gut besetzen zu können, berichtete Andreas Fleischer, Marktleiter des REWE Supermarkt Wustermark. „Wir legen alle Zahlen offen, wir definieren gemeinsam Ziele, wir führen monatlich Feedbackgespräche“, so Andreas Fleischer. Die Maßnahmen haben Früchte getragen. Er zeichnet das Bild „von einem blühenden Unternehmensgarten“, den er „heute nur noch gießen muss“

Eine offene Kommunikation, ein fairer und respektvoller Umgang miteinander und die Möglichkeit, einen eigenständigen Beitrag zu den Zielen des Unternehmens zu leisten, kann eine Versprechung aus einer Stellenanzeige sein. Wie es gelebte Praxis ist, erzählte Anike Oleski, Inhaberin der MediosApotheke. 160 Mitarbeiter zählen die verschiedenen Berliner Standorte, da ist es wichtig, eine gute, wertschätzende Führungskultur zu haben, um erfolgreich alle Filialen zu führen. Intensive Kommunikation, d.h. Gespräche mit den Mitarbeitenden nach drei und nach sechs Monaten sind genauso selbstverständlich wie gemeinsame Reisen zum Austausch und zur Motivation. „Dabei schauen wir insbesondere auf die Potenziale der Beschäftigten und versuchen, diese zu stärken und für unser Unternehmen zu nutzen“. Seit 2012 gibt es eine Doppelspitze, auch das trägt zum Erfolg der Medios Gruppe bei.

Die „Schweizklausur“ ist ein geflügeltes Wort bei der Sinfonie GmbH & Co. KG geworden. Thomas Grellner, Geschäftsführer, erläuterte, was es damit auf sich hat. Eine erste Klausurtagung führte die Mitarbeitenden des Unternehmens in die Schweiz. Seitdem finden Klausuren regelmäßig einmal jährlich statt, die Orte wechseln, der Name blieb. Langsamkeit ist die Devise. Eine Woche miteinander, Austausch zu betrieblichen Themen aber vor allem gemeinsame Unternehmungen führen dazu, dass das Team seit 25 Jahren an einem Strang zieht. „Menschen zu dienen“ ist die Devise von Thomas Grellner und das nicht nur in Bezug auf seine Kunden sondern auch für und mit seinen Mitarbeitern.

Unternehmen unterliegen Veränderungsprozessen. Große Unternehmen werden kleiner, Betriebsbereiche spalten sich ab. So auch der Weg der ADTRAN GmbH, die über Nokia Siemens Networks aus dem Siemens Konzern hervorging. Petra Hillicke war schon bei Siemens Personalleiterin und kennt die Herausforderungen für und mit Mitarbeitern gut. Manchmal ergeben sich aber auch hier ganz neue, ungewohnte Fragestellungen, so beispielsweise „Wo finden wir einen neuen Unternehmensstandort?“ Mit zwölf Softwareentwicklern machte sie sich auf, passende Unternehmensräume zu finden. Für die Kollegen, die ansonsten hinter ihrem Laptop Daten generieren, war dies eine besondere Erfahrung und führte zu einer guten Bindung an den neuen Firmensitz am Hauptbahnhof. „Links und rechts der üblichen HR-Themen zu schauen und damit Motivation zu fördern“, das ist das gelebte Prinzip von Petra Hillicke.

Warum definieren in den meisten Unternehmen wenige Führungskräfte, wie die Mehrheit zu arbeiten hat? Warum trauen wir unseren Angestellten so selten zu, eigenverantwortlich zu entscheiden? Ein „Management-Exorzist“ brachte Dirk Huesmann, Vorstandsvorsitzender der wirDesign communication AG auf ganz neue Gedanken. Hierarchien abbauen, Kommunikationswege verändern (Chanels - keine E-Mails), Teams stärken, das ist der Weg, der die wirDesign Agentur erfolgreich macht. „Die Trennung in Denkende und Handelnde überwinden und Teams selbst entscheiden und umsetzen lassen“, damit fährt die wirDesign gut und ist nicht zuletzt daher ein exzellenter Arbeitgeber.

Trotz strahlendem Sonnenschein und heißen Temperaturen blieb es still und aufmerksam bis zum letzten Applaus. Nach den vielen Erzählungen und Berichten wurde im Anschluss bei kleinen Häppchen im Abendsonnenlicht noch lange diskutiert. Das Format kam an, das war das Resümee von Gästen und Erzählenden.