Deutschland braucht ein positives Einwanderungsklima

07.01.14

Die aktuelle Zuwanderungsdebatte, die vor einer Masseneinwanderung in das deutsche Sozialsystem warnt, droht die öffentliche Diskussion in Deutschland auf die sogenannte Armutsmigration zu verengen. Was Deutschland aus Sicht des Demographie Netzwerks braucht, ist aber vielmehr eine Debatte darüber, wie mehr qualifizierte Fachkräfte motiviert werden können, in Deutschland zu leben und zu arbeiten.

Der ddn-Vorstandsvorsitzende Rudolf Kast verweist auf den drohenden Fachkräftemangel in Deutschland: "Wir sollten uns über gut qualifizierte Menschen aus dem Ausland freuen. Was Deutschland braucht ist ein positives Einwanderungsklima". Deutschland müsse sich attraktiver für Arbeitskräfte aus der EU und darüber hinaus machen, so Kast.

Auslöser der Zuwanderungsdebatte waren Sorgen aus Großbritannien vor einem großen Zustrom bulgarischer und rumänischer Arbeitssuchender. Der britische Premierminister David Cameron kündigte bereits Maßnahmen an, um den Zutritt zum Arbeitsmarkt für Zuwanderer zu erschweren. Seine Befürchtungen stellen sich jedoch als überzogen heraus, wie eine Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zeigt. So haben nur weniger als zwei Prozent aller Zuwanderer aus der EU seit 2010einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Zudem sind die britischen Sozialsysteme nach der EU-Osterweiterung 2004 nicht nachhaltig belastet worden, die Arbeitslosenquote in Großbritannien sank sogar. 

Nach aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit entfallen 0,6 Prozent der Gesamtausgaben für Hartz-IV-Leistungen auf arbeitslose Bulgaren und Rumänen. Kamen bisher vor allen Dingen Saisonarbeiter nach Deutschland, haben jetzt, dank der neuen Zuwanderungsbedingungen, auch hoch qualifizierte Arbeitskräfte Zugang zum Arbeitsmarkt. Es gibt also keinen Grund zu der Annahme, dass nur Problemfälle nach Deutschland kommen. „Wir brauchen eine Debatte darüber, wie wir es schaffen, qualifizierte Fachkräfte bei uns willkommen zu heißen“, fordert Kast.

ddn unterstreicht, dass Politik und Wirtschaft nicht allein auf Zuwanderung setzen können, um den künftigen Bedarf an Fachkräften zu decken. Dies kann nur Hand in Hand mit einer besseren Einbindung des gegenwärtigen Arbeitskräftepotentials funktionieren. So tragen insbesondere die Aktivierung der Generation 50+, eine verstärkte Erwerbstätigkeit von Frauen und lebenslanges Lernen dazu bei, den Arbeitsmarkt langfristig zu stabilisieren und einem Fachkräftemangel rechtzeitig entgegenzuwirken.