Der Stress mit den E-Mails

19.08.14

Ein Tag pro Woche für E-Mails – die Unternehmensberatung Bain & Company glaubt, dass das bald Alltag für Führungskräfte in Deutschland sein könnte. Denn diese erhalten schon heute rund 30.000 Mails pro Jahr. Zum Vergleich: In den 1970er Jahren mussten sich Führungskräfte mit gerade mal 1.000 Mitteilungen und Anfragen befassen. Aus Sicht der Unternehmensberater ist diese E-Mail-Flut vor allen Dingen eines: teuer. 

Nicht nur Manager, auch alle anderen Beschäftigten haben mit einer zunehmenden Flut von Mails zu kämpfen. Der IT-Branchenverband Bitkom hat ermittelt, dass täglich rund 18 E-Mails bei jeder beruflichen Mailadresse eingehen. Während vor drei Jahren noch rund ein Drittel der Beschäftigten ohne berufliche Mailadresse auskam, sind es heute laut Bitkom gerade noch 17 Prozent.

Einige Unternehmen machen sich bereits Gedanken, wie sie die Belastung der Mitarbeiter durch das hohe Mailaufkommen reduzieren können. Andererseits haben sich viele Beschäftigte bereits so an ihre täglichen E-Mails gewöhnt, dass sie auch im Urlaub nicht ohne Nachrichten vom Chef oder von Kollegen auskommen wollen. 

Deshalb fordern Sozialpolitiker jetzt die Einführung einer Anti-Stress-Verordnung. Diese soll Zeiten festlegen, in denen Chefs ihre Mitarbeiter nicht kontaktieren dürfen. Losgetreten hat die Debatte der Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Guntram Schneider, inzwischen hat auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD Bundestagsfraktion, Carola Reimann, diesen Gedanken aufgegriffen. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels müsse der Gesundheitsschutz von Arbeitnehmern einen höheren Stellenwert bekommen. Allerdings betont Reimann, dass jede Branche und jedes Unternehmen genug Spielraum haben müsse, um dieses Thema angemessen zu regeln.