ddn Südbaden zeigte Lösungen für den Mittelstand auf

23.03.13

Strategien aus der Praxis diskutierten rund 80 Teilnehmer auf der Tagung „Sehen wir bald alt aus?“, welche das ddn-Regionalnetzwerk Südbaden mit der Stadt Bad Krozingen und weiteren Partnern am 26. Februar veranstaltete. Das Tagungsangebot war vor allem für den Mittelstand konzipiert, wie Bürgermeister Dr. Ekkehart Meroth unterstrich: „Die Großen haben sich in der Regel auf die Herausforderungen des demographischen Wandels eingestellt, es sind die kleinen und mittleren Unternehmen besonders stark betroffen.“ Die Herausforderungen können aber gemeistert werden, „wenn wir ihnen mit einer optimistischen Grundhaltung begegnen und handeln“, so Meroth.

Wenn in wenigen Jahren die Generation der Babyboomer in den Ruhestand geht, trifft der demographische Wandel die Wirtschaft in einer neuen Härte. Darauf sind viele Unternehmen nicht vorbereitet, wie Prof. Uwe Schirmer anhand von Studienergebnissen aus Baden-Württemberg belegen konnte. Sein Fazit: „Künftig entscheidet nicht nur die Produkt- oder Dienstleistungspolitik, sondern gerade die Personalpolitik über den Unternehmenserfolg.“ Dabei ist es vor allem wichtig, als attraktiver Arbeitgeber seine Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Die Integration älterer Arbeitnehmer in das Unternehmen und die Zusammenarbeit in altersgemischten Teams sind effektive Antworten auf den veränderten Arbeitsmarkt, unterstrich ddn Vorstandsvorsitzender Rudolf Kast. Flexible Arbeitszeitsysteme, Fortbildung und Gesundheitsmanagement sind wichtige Faktoren dafür, dass ältere Arbeitnehmer länger arbeiten. Aber auch die stärkere Integration von Frauen und Migranten kann Personallücken schließen.

Und wie präsentiert sich die Situation am Veranstaltungsort selbst? Eine Bevölkerungsabnahme trifft auf absehbare Zeit für die Stadt Bad Krozingen nicht zu. Dies zeigten die Zahlen, die Prof. Ursula Lehr, von 1988 bis 1990 Bundesfamilienministerin, mitgebracht hatte. Sie prognostizieren einen Bevölkerungsanstieg bis 2030 um etwa Prozent. Altern werden in dem Zeitraum allerdings auch die Bürger von Bad Krozingen. So steigt die Zahl der über 80jährigen um etwa 75 Prozent, während die Geburten leicht zurückgehen. Schon heute hat die Kurstadt einen Altersdurchschnitt, wie ihn das gesamte Land in 20 Jahren haben wird. Obwohl die demographische Entwicklung in vielen Teilen Deutschlands dramatischer ist, spüren auch die Unternehmen in Bad Krozingen die Folgen. Denn der Wettbewerb am Arbeitsmarkt findet regional und überregional statt. Vor allem bei Fachkräften und Ausbildungsplätzen gehen die Bewerberzahlen zurück. 

Groß geschrieben wurde auch der Anwendungsbezug der Veranstaltung: In verschiedenen Workshops konnten die Tagungsteilnehmer anhand zahlreicher Praxisbeispiele Ideen und nachahmenswerte Projekte kennenlernen, die sich ohne großen Aufwand im eigenen Unternehmen umsetzen lassen. Diskutiert wurden Themen wie die Altersstrukturanalyse, lebenslanges Lernen, Gesundheitsmanagement, Rekrutierung, aber auch kommunale Strategien. Dass oft schon kleine Schritte eine große Wirkung erzeugen, verdeutlicht Andrea Nordmann, Leiterin des Zentrum Beruf + Gesundheit in Bad Krozingen: Gesundheitsmanagement fängt schon damit an, dass man Mitarbeiter, die etwas bedrückt, fragt, wie es ihnen geht. Und bei den Themen Sport und Ernährung geht der Chef am besten mit gutem Beispiel voran. Nachahmung bei der Belegschaft ist vorprogrammiert.

Sehen wir also bald alt aus? Die Experten, aber auch viele Unternehmer konnten am Ende der Tagung diese Frage mit „nein“ beantworten. Jedenfalls dann, wenn die ersten Schritte der Anpassung an den Arbeitsmarkt heute eingeleitet werden.