ddn Schweiz: Erst der Konsens, dann die Struktur

27.08.13

Am 26.08.2013 wurde in St. Gallen ddn Schweiz gegründet. Federführend beim Aufbau von ddn Schweiz ist das World Demographic&Ageing Forum AG in St. Gallen (WDA Forum). Aus diesem Anlass sprach ddn mit Stefan Wild, Director WDA Forum AG, und Christian Werner, Vorstand ddn Deutschland.

ddn: Herr Wild, Sie sind Direktor der World Demographic&Ageing Forum AG. Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade ddn Schweiz gründen?

Wild: Das Bewusstsein für den demographischen Wandel schärfen. Wir werben dafür, die Herausforderung „Demographischer Wandel“ anzunehmen und zu erkennen, welche Chancen er uns bietet. Und wir leisten Überzeugungsarbeit, dass wir diese Chancen nur nutzen können, wenn wir dieses Thema koordiniert und zusammen im Diskurs mit den verschiedenen Akteuren angehen.

ddn: Wenn wollen Sie davon überzeugen?

Wild: Wissenschaft, Wirtschaft, Nicht-Regierungsorganisationen, Interessenverbände und – ganz zentral - Politik und Bevölkerung. 

ddn: Herr Werner, warum ist das WDA Forum der richtige Partner für ddn?

Werner: Weil es über das Knowhow und die Kapazitäten verfügt, die vielen schon bestehenden Initiativen und Organisationen koordiniert zu unterstützen. Für das Zusammenführung von Entrepreneuren, Entscheidern und Experten rund um die demografischen Herausforderungen und Chancen – so wie wir es mit dem ddn e.V. seit 2006 praktizieren – eine grenzüberschreitende Synergie.

ddn: Das WDA Forum ist nicht Ihr einziger Partner in der Schweiz…
Werner: Das ist richtig und daher haben WDA und Dr. Pfeiffer, der Vorsitzende des Demographie Forums Schweiz, von Anfang an kooperiert. Dr. Pfeifer hat in den letzten Jahren mit großem Engagement sehr viel bewegt.
Wild: Dr. Pfeiffer ist so etwas wie das Gesicht der Demographie in der Schweiz. Er wird auch künftig eine herausragende Rolle in der Debatte spielen. Unsere Aufgabe als ddn Schweiz am WDA wird es sein, Initiatoren wie ihn dabei zu unterstützen, das Thema Demographie voranzubringen.

ddn: Wie präsent ist der demographische Wandel in der Schweiz?

Wild: Präsent ist er schon, wir werden älter, wir brauchen dringend Fachkräfte. Aber dass man ihn erforschen, Plattformen zum Austausch und ihn gestalten kann und muss, ist besonders in der Wirtschaft und der Politik noch nicht überall angekommen. Wir haben in der Schweiz gerade mal einen Lehrstuhl, der sich mit dem Thema Demographie beschäftigt. Da sind Sie in Deutschland weiter, Ihre Bundesregierung hat ja sogar eine Demographiestrategie beschlossen. 

Werner: Die Demographiestrategie ist richtig und wichtig. Sie schafft den Rahmen den wir brauchen, aber noch keine Lösungen. Die müssen Unternehmen, Zivilgesellschaft und Politik schon selbst entwickeln. Das ist nicht zu verordnen. Und für manche Fragen und Chancen scheint auch noch das Bewusstsein zu fehlen. Ich will das am Beispiel Aus- und Weiterbildung verdeutlichen. Es scheint noch nicht überall in Deutschland angekommen zu sein, dass wir unser gewohntes Umfeld oder Produktivität nur dann langfristig auf heutigem Niveau halten können, wenn wir alle effizienter werden und Reserven mobilisieren. Das wird nicht einfach werden, da wir viel mehr im Bereich Aus- und Weiterbildung machen müssen, als das heute der Fall ist. Und zwar in allen Alters- und Bevölkerungsgruppen, in allen Lebensphasen und uns nicht entscheiden vorhandene Potentiale nicht einzusetzen, auch über den sog. Ruhestand hinaus. 

ddn: Wie kam es zur Gründung von ddn Schweiz?

Wild: Wie so oft beim Thema Demographie ist das der Initiative Einzelner zu verdanken. Ich möchte da meinen Vorgänger beim WDA Forum, Herrn Meier nennen, sowie Herrn Dr. Pfeiffer und Matthias Müller vom DFS. Und ganz wichtig: Herrn Werner, der das sehr zielstrebig und mit grosser Unterstützung vorangetrieben hat.

ddn: Für Sie ist die Internationalisierung von ddn ein zentrales strategisches Ziel?

Werner: Ja, wie jede große Zukunftsfrage ist auch der demographische Wandel ein globales Thema und sehr große Chance. Deshalb brauchen wir auch den internationalen Austausch. Wir können bestehende Erfahrungen und Erfolgsbeispiele der Entrepreneure und Experten aus dem ddn e.V. einbringen. Durch unterschiedliche Kulturen und Systeme lernen wir voneinander. ddn Schweiz ist auf diesem Weg ein erster wichtiger Schritt

ddn: Stichwort Kulturen, wo sehen Sie die großen Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland?

Werner: In der Schweiz ist der Gedanke der Eigenverantwortung weiter entwickelt. Daraus ergeben sich Impulse für Deutschland, die sehr hilfreich sein können. Wir können vom Gedanken „des gut aufgestellt sein’s“, wie es die Schweizer nennen, durchaus lernen.

Wild: In Deutschland spielt der Begriff der Solidarität bei der Ausgestaltung der sozialen Sicherungssysteme eine größere Rolle als in der Schweiz – mal ganz dahingestellt, ob das wirklich solidarisch ist. Bei uns muss jeder mehr Eigenverantwortung für sich übernehmen, in allen Bereichen. In der Schweiz spielt wiederum der Konsens eine große Rolle. Das werden Sie an der Entwicklung von ddn Schweiz feststellen können. Wir müssen uns zunächst einmal über Inhalte einig werden. Erst wenn wir dazu Konsens haben, können wir über Strukturen, beispielsweise einen Verein, nachdenken.
Werner: Wenn man sich Lösungen und Best Practice Beispiele anderer Länder anschaut, kann man immer miteinander lernen. Darum geht es: zusammen die Themen, Sichtweisen und Chancen diskutieren. Man darf nur nicht den Fehler machen, alles was man sieht eins-zu-eins übertragen zu wollen ...

Wild: ... ein ganz wichtiger Punkt. Die Rahmenbedingungen sind in unseren Ländern sehr unterschiedlich. Nehmen Sie das Beispiel regionale Netzwerke. Die Schweiz hat zu Deutschland ein Größenverhältnis von 1:10. ddn Deutschland hat 16 regionale Netzwerke, für die Schweiz könnte ich mir zwei Netzwerke vorstellen, eines der deutschsprachigen Schweiz, eines in der Romandie. Aber das ist Zukunftsmusik, Sie wissen ja, erst brauchen wir Konsens über die inhaltliche Arbeit.

ddn: Herr Wild, wie geht es jetzt konkret weiter mit ddn Schweiz?

Wild: In der Schweiz spielt der Prozess der Konsensfindung eine besondere Rolle. Deshalb werden wir uns mit allen Akteuren über die inhaltliche Linie von ddn Schweiz verständigen. Im zweiten Schritt werden wir dann prüfen, welche Struktur in der Lage ist, diese Inhalte am besten zu managen. Wer dabei mitgestalten will, ist herzlich willkommen. Einfach auf die Website www.demographie-netzwerk.ch gehen, oder unter wdaforum.org auf das ddn Schweiz Logo klicken, dann finden Sie alle Infos. 

ddn: Wie geht es weiter mit der Internationalisierung von ddn?

Werner: Die nächste Etappe ist schon konkret terminiert: Im Februar 2014 wird in Berlin die internationale ddn Konferenz „Human Economy“ stattfinden, auf der Personalverantwortliche und Experten aus aller Welt über die Herausforderungen der Zukunft in der Arbeitswelt sprechen werden. Es wird ein spannendes Programm geben, um vor allem über die nachhaltigen Perspektiven und neuen Wege zu sprechen.

 

Stefan Wild
Director
World Demographic&Ageing Forum AG

 

Christian Werner
Vorstand Das Demographie Netzwerk e.V,
Head of Strategic Workforce Planing
Allianz SE