ddn-Mitgliederversammlung bot fachlichen Input und prominente Gäste

28.03.11

In Unternehmen gibt es zahlreiche hervorragende Ansätze zu mehr Demographiefestigkeit. Aktiv in die Öffentlichkeit getragen werden diese eher selten.
Ein anderes Bild bot sich auf der ddn-Mitgliederversammlung. Am gemeinsamen Ideenaustausch, den ddn mit einem World Café initiierte, nahmen über 100 Mitglieder teil. Das Zusammentreffen der Unternehmensvertreter zeigte zwei Dinge auf. Erstens: Innovative Lösungen, dem demographischen Wandel zu begegnen, sind gefragt. Zweitens: Diese Lösungen sind vielfach vorhanden, sie werden jedoch außerhalb des Demographie Netzwerks noch zu wenig kommuniziert. 

 



Zentraler Leitgedanke der Diskussionen am 24. März 2011 im Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Berlin war das Motto: „Länger arbeiten! – Geht´s noch?“. Das World Café war prominent besetzt. Die Bundestagspräsidentin a.D., Prof. Dr. Rita Süssmuth, das neue ddn-Beiratsmitglied Prof. Dr. Juhani Ilmarinen sowie der Fernsehjournalist Prof. Dr. Dieter Kronzucker hielten Impulsvorträge. Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Dr. Ralf Brauksiepe, lobte die Arbeit des ddn und sicherte auch für die Zukunft die Unterstützung des Ministeriums zu.

Während ddn am Nachmittag die Weichen für ein vielseitiges Jahresprogramm sowie ein weiteres Mitgliederwachstum stellte, stand beim World Café, in Zusammenarbeit mit der SRH Hochschule Berlin, der gemeinsame Austausch an den 22 Thementischen im Vordergrund. Dieser ermöglichte den Blick auf unterschiedliche Perspektiven. Die Herausforderungen der Zukunft liegen auf der Hand. Der demographische Wandel erfordert heterogener werdende Belegschaften, flexible Lösungen und lebenszyklenorientierte Karriereformen. Die gesellschaftliche Diskussion sollte sich deswegen stärker der Frage zuwenden, wie Menschen länger erfüllt arbeiten können, und welche Voraussetzungen dafür nötig sind und sich von negativ besetzten Begriffen wie „Rente mit 67“ lösen. 

Die Perspektivenvielfalt zeigte viele Lösungswege auf unterschiedlichen Ebenen auf. Unternehmen, Mitarbeiter, Politik und Kommunen können selbst, aber auch im Verbund miteinander, Maßnahmen entwickeln und umsetzen, wobei tätigkeitsspezifische und regionale Unterschiede zu beachten sind. 

Unternehmen müssen in Mitarbeiter investieren, da sie auf gute Qualifikationen angewiesen sind. Weiterbildung sollte daher spezifisch an individuellen Voraussetzungen angepasst werden. Es hat sich gezeigt, dass Motivation und Leistungsfähigkeit unabhängig von Alter und Geschlecht sind, wie Prof. Dr. Uta Lieberum von der Hochschule Fresenius betonte. Führungskräfte haben großen Einfluss auf die Lernbereitschaft, indem sie Lernprozesse unterstützen und selbst Vorreiter sein können. Auch die Unternehmenskultur hat bedeutende Auswirkungen auf Lernbereitschaft und Motivation. Mitarbeiter sollten von Anfang an in Veränderungsprozesse mit eingebunden werden.

Die Teilnehmer diskutierten auch die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsgestaltung. Neue lebenszyklusorientierte Arbeitsmodelle kommen hier ins Spiel. Dazu gehört aber auch der Abbau von Ängsten vor neuen Aufgaben. Im Schiffsbau beispielsweise wird die Arbeit alle drei Jahre komplett neu strukturiert. Das Erlernen von Neuem trägt dazu bei, die Arbeitsfähigkeit von Menschen zu erhöhen. Die skandinavischen Länder sind hier Vorreiter: In Norwegen wollen 80% der Menschen auch im Rentenalter noch weiterarbeiten, in Deutschland hingegen können sich das nur 48% vorstellen. 

Angeregt wurde, dass die Politik weiterführende Ausbildung altersunabhängig stärker fördern sollte. Eine Art Bafög auch für über 50-Jährige oder Trainee-Programme für ältere Mitarbeiter sind hier denkbare Lösungen. Die Politik kann Rahmenbedingungen schaffen, die den Erfahrungsaustausch fördern, und Anreize zu längerem Arbeiten setzen. 

Kommunen als weiche Standortfaktoren können dazu beitragen, den Menschen Stress zu nehmen, wie Sabine Löser, Leiterin des ddn-Arbeitskreises „Demographischer Wandel und Kommunen“ betonte. Ein gemeinsames strategisches Vorgehen von Kommunen und Unternehmen, beispielsweise im Bereich der Pflegeangebote oder der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ist für Unternehmen von großer Bedeutung. 

Die Ergebnisse der Tischdiskussionen zeigten, dass Demographiemanagement schon früh einsetzen muss. Ein gezieltes Koppeln von Lernen und Arbeiten, das von den Führungskräften vorgelebt wird und eine Unternehmenskultur, die Gesundheit und Qualifikation fördert, sind entscheidende Erfolgsfaktoren. Vieles wird in den Unternehmen bereits umgesetzt. Wichtig ist neben dem gemeinsamen Wissensaustausch, das auch zu kommunizieren: Nach außen und nach innen an die Mitarbeiter. Nur dann profitieren alle davon. 

Interviews mit dem neuen ddn-Beiratsmitglied Prof. Dr. Juhani Ilmarinen und dem Fernsehjournalisten Prof. Dr. Dieter Kronzucker finden Sie hier auf der Website. Hintergrundmaterial zur Veranstaltung finden ddn-Mitglieder außerdem im ddn-Intranet.