Arbeitsfähigkeit durch Gesundheitsmaßnahmen erhalten – Unternehmen sollten jetzt handeln

11.06.12

Belegschaften arbeiten länger, die gesundheitlichen Probleme von Arbeitnehmern wachsen. Eine wichtige Frage ist: Was können Unternehmen tun, um gesundheitlichen Beschwerden von Arbeitnehmern vorzubeugen? ddn blickt über den Tellerrand und hat mit Sean Sullivan und Deborah Love vom amerikanischen Institut IHPM über präventive Gesundheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz und die Vorteile des ddn gesprochen. Das Interview entstand am Rande eines Erfahrungsaustausches der IHPM-Spitzen mit den ddn Vorstandsmitgliedern Victoria Büsch und Rudolf Kast in Berlin.

ddn: Das Institute of Health and Productivity Management fördert die Gesundheit von Arbeitnehmern, um die Produktivität eines Unternehmens zu steigern. Welche Maßnahmen ergreift ihr Unternehmen, um diese Zielsetzung zu erfüllen?

Sean Sullivan: Um herauszufinden, welches die größten gesundheitliche Probleme von Arbeitnehmern sind, führen wir einen Gesundheitscheck durch. Mittels eines Tests und einer Umfrage analysieren wir, welches die vorherrschenden gesundheitlichen Risiken am Arbeitsplatz sind. Anschließend entscheiden wir, wie die Gesundheit der Angestellten verbessert und deren Leistungsfähigkeit gesteigert werden kann. Nach einigen Wochen führen wir den Test erneut durch, um zu sehen, ob wir die Gesundheit der Angestellten steigern konnten. Bis jetzt waren wir mit unserem Verfahren sehr erfolgreich. 

ddn: Unter welchen Krankheiten leiden die meisten Angestellten?

Sean Sullivan: Viele Personen wissen oftmals nicht, dass sie krank sind. Die häufigsten Krankheiten in den USA sind Herz-Kreislauferkrankungen, die häufig aus Fettleibigkeit und Diabetes entstehen. Auch von chronischen Lungenerkrankungen (COPD) sind viele Arbeitnehmer betroffen, die zu Herzinfarkten, Bluthochdruck und Schlaganfällen führen können. Das liegt zum einen an der hohen Luftverschmutzung in Industriegebieten, als auch an der Anzahl der Raucher, die besonders gefährdet sind. Grund dafür ist, dass chronisch Lungenerkrankungen am drittschnellsten zu Tod und Behinderungen führen. Aber auch Depressionen und Angstzustände sind in der heutigen Arbeitswelt weitverbreitet. 

Deborah Love:  Auf unserer Website finden Interessierte fünf Fragen, mit denen man überprüfen kann, ob man unter chronischen Lungenerkrankungen (COPD) leidet. Bei fast jedem Arzt kann man zudem biometrische Tests machen, um herauszufinden, ob man unter einer nicht offensichtlichen Krankheit leidet.

ddn: Was sollten Unternehmen tun, um ein nachhaltiges Arbeitsumfeld zu schaffen?

Sean Sullivan: In den vergangenen Jahren haben muskuläre Probleme im Bewegungsapparat der Arbeitnehmer zugenommen. Deswegen ist das Thema Ergonomie am Arbeitsplatz zunehmend wichtiger geworden. Deshalb ist es ratsam, dass Unternehmen für die Arbeitnehmer Anreize schaffen, sich gesund zu ernähren und Sport zu treiben. Um Arbeitnehmer belastungsfähiger zu machen, sind aber auch psychologische Beratungen für die Arbeitnehmer von Nöten, um psychischen Erkrankungen vorzubeugen oder aber diese frühzeitig zu erkennen. 

ddn: Welche Maßnahmen sollten Unternehmen nach ergreifen, um erfahrene Arbeitskräfte länger im Beruf zu halten?

Sean Sullivan: Moderne Unternehmen benötigen ein „Betriebliches Gesundheitsmanagement“. Das heißt, es muss präventive Gesundheitsmaßnahmen geben. Auch in den USA wird in den kommenden Jahren die „Baby-Boomer“ Generation in den Ruhestand gehen. Hier ist es entscheidend, die nachfolgenden Generationen gesundheitlich zu fördern und Krankheiten vorzubeugen.

ddn:  Haben Sie ähnliche Netzwerke, wie ddn in den USA? 

Sean Sullivan: Nein, ein Netzwerk wie Das Demographie Netzwerk e.V. existiert meines Wissens nicht in den USA. Unternehmen kümmern sich selbständig um die demographischen Herausforderungen und haben nicht die Möglichkeit, von solch einem Netzwerk zu profitieren. Ein Netzwerk wie ddn wäre in den USA von Vorteil, damit Unternehmen voneinander lernen und sich austauschen können. Wir hoffen, dass ein Netzwerk wie ddn demnächst in den USA zustande kommt.

ddn: Woran liegt es, das sich viele Unternehmen dem demographischen Wandel bewusst sind, aber nicht genau wissen, welche Maßnahmen sie dagegen ergreifen sollen?

Sean Sullivan: Die demographische Entwicklung verläuft schleichend und wird deshalb von vielen Unternehmen nicht beachtet. Die Probleme werden aber in naher Zukunft enorm sein, weil die Unternehmen noch nicht ausreichend handeln. In den USA sieht man leider noch wenig Handlungsbedarf. In Europa ist man da schon ein Schritt weiter. 

Deborah Love: In den USA müsste man jetzt handeln, da die Kosten und die Durchführung von Programmen für die Förderung der Gesundheit Zeit kosten werden. Denn die Arbeitnehmer von heute sind der Schlüssel für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. 

ddn: Sehen Sie Schnittstellen zwischen ddn und IHPM bezüglich der Ziele, die eine Kooperation in Zukunft ermöglichen würden?

Deborah Love: In unserem Gespräch mit den ddn-Vorstandsmitgliedern Rudolf Kast und Victoria Büsch haben wir bereits über Kooperationen bei künftigen Konferenzen und Mitgliederversammlungen unterhalten. Besonders im Ausbildungsbereich und bei Zielsetzungen sehen wir Schnittstellen und hoffen auf eine konspirative Zusammenarbeit gerade was gemeinsame Konferenzen und Publikationen betrifft. Wir hoffen, viel voneinander lernen zu können.    

 

Sean Sullivan ist Geschäftsführer und Mitbegründer des Institute ofHealthandProductivity (IHPM). Nach seinen Abschlüssen an den Universitäten Harvard und Standford war Sullivan unter anderem in Washington als Gesundheitspolitik Analyst und als Geschäftsführer der National Business Coalition on Health tätig.