Ältere Beschäftigte als Ressource für den digitalen Wandel: ddn-Umfrage beim Aktionstag 2017

14.09.17

Ältere Beschäftigte als Ressource für den digitalen Wandel begreifen 

IHK und DDN stellen Ergebnisse einer Online-Umfrage vor.

Düsseldorf, 14. September 2017. Alternde Belegschaften sind kein Handicap bei der digitalen Modernisierung ihrer Unternehmen, sondern im Gegenteil eine große Ressource. Diese Ansicht vertreten Das Demographie  Netzwerk e.V. (ddn) und die IHK zu Düsseldorf. In ihrer gemeinsamen Veranstaltung „Perspektivwechsel 3D -  Demographischer Wandel, Digitalisierung und Diversity“ untermauerten sie heute ihre These mit den vorläufigen Ergebnissen einer gleichnamigen Online-Umfrage. Danach stehen besonders leistungsorientierte Menschen über 40 der Digitalisierung positiv gegenüber und versprechen sich davon für ihren Arbeitsbereich vor allem Fortschritte. Gleichzeitig sieht ein hoher Prozentsatz von ihnen noch beachtliche Lücken in der eigenen digitalen Kompetenz, ist aber gewillt, diese mit einer ausgeprägten Lernbereitschaft zu schließen.

Nach Überzeugung von Martina Schmeink, Geschäftsführerin von DDN, ist dies ein ermutigender Befund für den Wirtschaftsstandort Deutschland: „Die vielfach geäußerten Sorgen, Deutschland könne mit dem schon relativ hohen Durchschnittsalter seiner Beschäftigten den Anschluss an die digitale Zukunft verpassen, sind unbegründet.“ Es zeige sich vielmehr, dass gerade Angehörige der mittleren und älteren Generation den neuen Entwicklungen sehr offen und veränderungsbereit  gegenüberstünden. „Das widerspricht auch verbreiteten Altersstereotypen, wie sie nicht nur bei jüngeren Menschen, sondern auch bei Führungskräften aus allen Altersgruppen anzutreffen sind.“ Für Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Düsseldorf, ist dies von besonderer Tragweite für die kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die auch in seinem Bezirk das Rückgrat der Wirtschaft darstellen: „Nicht nur im ländlichen Raum, auch in der Landeshauptstadt tun sich die Unternehmen, ganz besonders die KMU,  zunehmend schwer, Fachkräftenachwuchs zu rekrutieren.“ Umso wichtiger sei es, dass sie es schafften, ihr Stammpersonal zu einem Aktivposten und Treiber der digitalen Innovation zu machen.

Warum hier beachtliche Potenziale genutzt werden könnten, erläuterte Frank Schomburg von dem Befragungsunternehmen nextpractice, das für die Studie fachlich verantwortlich ist, mit bemerkenswerten Ergebnissen. Danach erreichte die Umfrage bislang eine sehr homogene Gruppe. Von den aktuell 600 Teilnehmern und Teilnehmerinnen haben 85% mindestens Hochschulreife, und über 70% sind älter als 40 Jahre. Schomburg: „Durch den Anschluss an unsere Methodik der Wertewelten erhalten wir eine empirisch gesicherte Typologie, die uns sehr belastbare Aussagen ermöglicht.“ Danach sind insgesamt über 50% der Befragten den Wertewelten "Engagiert Höchstleistung erzielen" und "Sich in der Arbeit selbstverwirklichen" zuzuordnen. Diese Wertewelten haben einen deutlichen Fokus auf das Individuum (Ich-Fokus), sehen die Digitalisierung als sehr positiv an und begreifen in der heutigen Arbeitswelt das lebenslange Lernen als einen der zentralen Aspekte. Dass sich gerade Personen mit einem solchen Fokus nicht gut auf den digitalen Wandel vorbereitet fühlen, führt das ungenutzte Potenzial  deutlich vor Augen.

Rudolf Kast, Vorsitzender des Vorstands von DDN, sieht die Unternehmen und ihre Personalverantwortlichen in der Pflicht, vor allem bei dieser hohen Lernbereitschaft anzusetzen: „Es muss Schluss damit sein, dass in vielen Unternehmen die Pro-Kopf-Ausgaben für Weiterbildung bei den über Fünfzigjährigen immer noch weit unter dem Durchschnitt liegen.“ Dieser Trend müsse im Gegenteil umgekehrt werden, um den Älteren ein digitales Aufholen zu ermöglichen.

Das Demographie Netzwerk e.V. (DDN) wurde 2006 auf Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) gegründet. Die Mitglieder setzen sich aus Unternehmen aller Größenordnung, aber auch Verbänden, Beratungsunternehmen, Wissenschaftseinrichtungen oder Kommunen zusammen. ddn ist angetreten, um den demographischen Wandel zur Chefsache zu machen. Das Herzstück des Netzwerks bilden 13 Arbeits- bzw. Themenkreise, in denen gemeinsam neues Wissen entwickelt und vorhandenes Know-how ausgetauscht wird. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Gesundheit, Arbeitsorganisation, Qualifizierung und Weiterbildung oder Führungs- und Unternehmenskultur. Außerdem gibt es 18 regionale ddn-Netzwerke, um die Arbeitskreis-Ergebnisse auch kleineren und mittelständischen Unternehmen vor Ort zugänglich zu machen.