Wirtschaft und Demographie - Zukunft wird jetzt gemacht

IV. Know-how-Kongress, 26.09.2009


„Wirtschaft und Demographie - Zukunft wird jetzt gemacht" war das Leitthema des IV. Know-how-Kongresses am 23. September 2009 in Köln. In Vorträgen, Talkrunden und Praxisforen setzen sich namhafte Experten mit Themen wie innerbetrieblichen Demographieallianzen, demographiefester Personalarbeit, lebenslangem Lernen und Gesundheitsmanagement auseinander.

Nach der Begrüßung durch die Moderatoren Dr. Renate Hauser und ddn-Geschäftsführer Dr. Rainer Thiehoff übernahm Dr. Jürgen Pfister, Vorstandsvorsitzender des Demographienetzwerks ddn das Wort. Er vermittelte, warum sich beim Umgang mit dem demographischen Wandel ein Paradigmenwechsel vollziehen müsse und wie Netzwerke entscheidend zur Bewältigung der Veränderungen beitragen können.
Rede Dr. Jürgen Pfister, ddn-Vorstandsvorsitzender

Anschließend erläuterte Detlef Scheele, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), was aus Sicht der Politik getan werden muss, um die Krise nicht nur gut zu überstehen, sondern sich auch für die Zukunft gut aufzustellen. Besonders interessant war die Überlegung seines Hauses, dass künftig die Bundesagentur einen regelmäßigen Arbeits- oder Beschäftigungscheck anbieten könnte.

Anregungen für Gehirnbenutzer

Warum die alte Führungskultur schlecht für Profit und Gesundheit ist, erklärte der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Joachim Fischer in seinem Vortrag. Stress wird in den nächsten Jahren zu einem wichtigen gesundheitlichen Risikofaktor für Unternehmen, so Prof. Dr. Fischer. In den Unternehmen müsse eine Rückbesinnung auf Wertschätzung, Handlungsspielraum, Teilhabe und Verantwortung sowie Entwicklungsmöglichkeiten der Mitarbeiter erfolgen, da nur mit engagierten, interessierten Mitarbeiter langfristig Erfolge zu erzielen seien. Eine gesundheitsorientierte Führung ermögliche erst den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit.

Prof. Dr. Gerald Hüther, einer der profiliertesten Hirnforscher in Deutschland und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von ddn, erläuterte den Zusammenhang von Gehirn und Arbeit. Mit seinen "Anregungen für Gehirnbenutzer" zeigte er, wie ein entscheidendes Paradigma produktiv verändert werden kann: von der Ressourcennutzung zur Potentialentfaltung. Die Fähigkeit Mut zu machen und zu inspirieren seien die zentralen Anforderungen an Führungskräfte, da Lernprobleme meist Begeisterungsprobleme seien.

Weisheit der Vielen

Das Thema innerbetriebliche Demographie-Allianzen stand im Mittelpunkt der Arbeit mit dem innovativen Moderationstool SwarmWorks. Ursprünglich auf knappe 55 Minuten veranschlagt, musste die Schnupperrunde auf gar nur 40 Minuten verkürzt werden. Manchem Teilnehmer geriet dabei das Bekanntwerden mit der Technik etwas zu knapp. Dennoch erzeugte die „Weisheit der Vielen" ein klares Bild davon, wer die wichtigsten internen Stakeholder sind, und zwar (in dieser Reihenfolge): die Führungsspitze, alle Mitarbeiter, der Betriebsrat, die eigenen KollegInnen und die Kommunikatoren. Auch bei der Frage, mit welchen Argumenten man die potenziellen Verbündeten vom Nutzen interner Allianzen überzeugen könne, gab es eine Fülle von Vorschlägen. Doch sehen Sie selbst: SwarmWorks-Ergebnisse.

Für Zündstoff gesorgt war in der anschließenden Talkrunde mit Gerd Duffke von Trumpf, Rudolf Kast von der SICK AG, Dr. Natalie Lotzmann von der SAP AG sowie Thomas Sattelberger von der Deutschen Telekom AG. Unter der Moderation von Randolf Jessl vom Personalmagazin diskutierten die Personalexperten kontrovers u.a. über die Themen Frühverrentung und Kurzarbeit. Für eine Auflockerung nach der Mittagspause garantierte der Wissenschaftskabarettist Vince Ebert.

Praxis, Praxis, Praxis

Innovative Ansätze aus der Praxis, Erfahrungsaustausch und wertvolle Anregungen für die Personalarbeit der Kongressteilnehmer lieferten die Referate der Praxisforen. „Mit Unsicherheit umgehen. Gesundheit und Leistungsfähigkeit in der Krise bewahren" war der Titel des von Dr. Michael Drupp moderierten Praxisforum 1. Zu den Referenten zählten Prof. Dr. Michael L. Bienert von der Fachhochschule Hannover, Thomas Sperveslage, Personalleiter der Wurst Stahlbau GmbH, sowie Gerd Duffke, der Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der TRUMPF GmbH & Co. KG.
Präsentationen des Forum 1

Im Forum 2 „Kreativpotentiale nutzen. Lebenslanges Lernen und Innovation" gaben Vertreter der Unternehmen RKW Kompetenzzentrum, Vattenfall Europe Business Services GmbH, Bernd Münstermann GmbH & Co. KG sowie der EADS Deutschland GmbH einen blitzlichtartigen Einblick in die Praxis ihrer Personal- und Weiterbildungskonzepte. Die Vorträge setzten sich mit Fragen wie diesen auseinander: Welche Widerstände gab es gegen die Vorhaben? Mit welchen Argumenten hat sich die Geschäftführung überzeugen lassen? Wie verläuft jetzt die Umsetzung? Moderiert wurde das Forum von Ben Krischausky und Bengt Kraus.
Präsentationen des Forum 2

Im Praxisforum „Beschäftigungsfähigkeit sichern. Innovative Personalarbeit und Arbeitsgestaltung" wurden unter der Moderation von Prof. Dr. Victoria Büsch und Sandra Mortsiefer innovative Good-Pratice-Fälle der Personalarbeit präsentiert. Dr. Lars Renner von Evonik stellte das Instrument „Plan@HR" vor, das Auswirkungen von Vorgaben etwa aus dem Strategiebereich auf den künftigen Personalbestand und Personalbedarf simuliert und berücksichtigen hilft. Auch die weiteren Referenten Bärbel Simon von WURZELWERK gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit und Umwelt mbH, Clemens Volkwein vom Arbeitgeberverband HessenChemie sowie Lutz Rosiepen von der Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH regten zu einem intensiven Erfahrungsaustausch an.
Poster des Forum 3

Sieger in Sachen Demographie

Noch einmal richtig spannend wurde es bei der Schlussveranstaltung des Kongresses: AARP, die größte Interessenvertretung der Generation 50+ in den USA mit rund 40 Millionen Mitgliedern, gab die Gewinner des Employer Awards 2009 bekannt. Vertreter der drei deutschen Siegerunternehmen SICK AG, Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH sowie BMW Group nahmen ihre Siegertrophäe vor Ort in Empfang und stellten ihre Ansätze in der anschließenden Diskussion vor. Wer den Tag noch nicht ausreichend zu Erfahrungsaustausch und Networking genutzt hatte, bekam dazu am Abend beim informellen Ausklang im Brauhaus Früh eine letzte Gelegenheit.



« Zurück zur Übersicht