Neue Studie zeigt: Produktivität steigt mit zunehmendem Alter

19.05.2011


Die Vorstellung, dass Produktivität mit fortschreitendem Alter abnimmt, ist immer noch weit verbreitet. Die Ergebnisse einer neuen Studie zeigen: Diese Annahme ist falsch.

Axel Börsch-Supan und Matthias Weiss vom Mannheim Research Institute for the Economics of Aging konnten nachweisen, dass Produktivität im Laufe der Lebensjahre nicht abnimmt, sondern zunimmt. Zwar sinkt die physische Leitungsfähigkeit mit zunehmendem Alter – dies wird jedoch ausgeglichen durch andere Qualitäten, die sich erst im Laufe eines Lebens entwickeln. Zu diesen Qualitäten zählen Erfahrung, Teamarbeit und die Fähigkeit, in schwierigen Situationen richtig zu handeln.

Die Forscher haben Statistiken der Mercedes Benz Lastwagenfabrik Wörth ausgewertet. Die Arbeit am Fließband ist standardisiert, was Arbeitsaufgabe, Arbeitstempo und das Ergebnis der Arbeit betrifft. Daher lässt sich die Produktivität an der Fehlerquote und der Schwere der gemachten Fehler messen. Die Fehlermessungen der Qualitätskontrollen wurden mit personenbezogenen Daten der Teams zu Alter, Geschlecht oder Dauer der Betriebszugehörigkeit in Beziehung gesetzt und statistisch ausgewertet.

Teams mit einer höheren Zahl an Älteren machen der Studie zufolge zwar öfter Fehler, sie vermeiden jedoch häufiger schwere Fehler, die hohe Kosten verursachen. Börsch-Supan und Weiss schließen daraus, dass Ältere eher in der Lage sind, schwierige Situationen zu erfassen und sich auf die entscheidenden Aufgaben zu konzentrieren.

Die Studie verdeutlicht: Produktivität steigt mit zunehmendem Alter! Selbst bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten sind ältere Teams produktiver. In der Wissensökonomie dürfte sich diese Tendenz verstärken. Denn hier spielen Erfahrung, soziale Intelligenz und auch komplexes berufliches Wissen eine größere Rolle.

Unternehmen sollten stärker den Blick darauf richten, was mit zunehmendem Alter besser wird. Das Fazit der Autoren für die betriebliche Personalpolitik lautet: „Angesichts unserer Ergebnisse erscheint es in zweifacher Hinsicht fatal, ältere Beschäftigte freizusetzen: Die Unternehmen verlieren wertvolles Humankapital, das sie durch jüngere Beschäftigte nur unvollständig ersetzen können und auch die freigesetzten Beschäftigten verlieren ihr wertvolles betriebsspezifisches Know-How, das sie in einer neuen Tätigkeit nur sehr eingeschränkt verwerten können.“


Prof. Dr. Axel Börsch-Supan ist wissenschaftlicher Beirat im ddn. ddn-Mitglieder finden die Studie im Intranet.




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