Erfahrung trifft Bedarf – ddn Praxisaustausch

04.04.2012


„Das war ein richtig guter Austausch unter Praktikern. Der Abend hat vielen weiter geholfen und außerdem Spaß gemacht“ fasste Rolf Kuhlmann vom ddn Berlin-Brandenburg und Projektleiter bei der zukunft im zentrum GmbH den Abend zusammen. Das Unternehmen ist Initiator des Austauschforums „Erfahrung trifft Bedarf“, das das ddn Berlin-Brandenburg in Kooperation mit der IHK Berlin und dem Berliner Senat organisierte. Mehr als 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am 27. März im Berliner Ludwig Erhard Haus zusammen. Der Stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin Christian Wiesenhütter eröffnete als Gastgeber die Veranstaltung und wertete die hohe Teilnehmerzahl als Beleg, dass das einstige Zukunftsthema Demographie im Unternehmensalltag angekommen ist. Staatssekretär Christoph von Knobelsdorff betonte die Schlüsselrolle der Wirtschaft bei der Bewältigung des demographischen Wandels.


Staatssekretär Christoph von Knobelsdorff bei
der Eröffnung
Im Rahmen der Veranstaltung hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, Wege zu diskutieren, wie der demographische Wandel als Chance genutzt werden kann. Die Impulse dafür gaben Personalverantwortliche aus Berliner Unternehmen, die sich in einführenden Präsentationen in die Karten ihrer Personalpolitik schauen ließen. „Das geschieht völlig selbstlos“ betonte Kuhlmann in seinem Dank an die Referenten.

„Für Veranstaltungen wie diese steht die Marke ddn“ erklärte Prof. Dr. Victoria Büsch, Vorstandsmitglied des ddn. „Wir haben Beispiele aus der Unternehmenspraxis, präsentiert von Profis und Experten, die bereit sind, ihre Erfahrungen zu teilen. Wir haben den Raum und die Zeit, Networking zu betreiben und ein Veranstaltungsformat am späten Nachmittag und Abend, das auch Führungskräften mit vollen Terminkalendern die Teilnahme ermöglicht. Veranstaltungen wie diese treffen den Bedarf in den Unternehmen“ ist die Volkswirtin von der SRH Hochschule Berlin überzeugt.   

Forum 1 Fachkräftegewinnung und -bindung
Im Forum Fachkräftegewinnung und –bindung/ Unternehmenskultur erläuterte Stephanie Olma von der Deutsche Bahn AG, wie das Unternehmen anhand eigener Daten die strategische Personalplanung gestaltet und Trends in der Entwicklung des Personalstamms bewusst steuert. Hier fanden die Gäste auch Anregungen für das eigene Vorgehen. Wie der Fachkräftemangel durch gezielte Ansprache einer neuen Zielgruppe zur Chance werden kann, zeigte Rainer Zimpel vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Er präsentiert die Kampagne „Männer in Kitas“, die junge Männer für den Erzieherberuf gewinnen will. Das Ziel: Die bundesweite Erzieherquote von 3% auf 20% anzuheben. Zimpel fasst zusammen: „Bei unseren Interessenten steht nicht das Geld an erster Stelle, sondern die Chance, eine erfüllende und abwechslungsreiche Tätigkeit auszuüben.“   
Daher setzt die Kampagne auf Image und stellt Erzieher vor, die eben im Alltag immer auch Zauberer, Spieleentwickler, Expeditionsleiter, Philosoph, Torwart und vieles mehr sind. Mit großer Resonanz: „Seit die Kampagne startete, haben sich allein in Hamburg 200 Interessenten bei uns gemeldet, das sind zwei pro Tag“ fasst Zimpel die große Resonanz der Kampagne zusammen.

Forum 2 Gesundheitsmanagement

Im zweiten Forum stellten Kerstin Hamann von den Berliner Wasserbetrieben und Herr Dr. Nikolaos Mitritzikis vom BMW Werk Berlin das Gesundheitsmanagement ihrer Unternehmen vor.  Beide Referenten betonten, wie wichtig ein ganzheitliches Verständnis für erfolgreiches Gesundheitsmanagement ist. Schließlich gehe es nicht allein um Präventionskurse, medizinische Untersuchungen und Ernährungstipps.  „Führung, die Vermittlung von Wertschätzung sowie Konsequenz und Eindeutigkeit im Führungsverhalten sind ganz wesentliche Faktoren, dass Beschäftigte gesund bleiben“, betonte Hamann. „Daher haben unsere Führungskräfte die Pflicht,  zweitägige Schulungen zu absolvieren, in denen sie lernen, wie sie mit ihrem Führungsverhalten zur Gesundheit ihrer Mitarbeiter beitragen.“  

Oft sind es kleine Maßnahmen, die große Effekte erzielen. Das zeigt das Beispiel der Arbeitsschuhe in den BMW Werken. Die Beschäftigten dort erhalten Schuhwerk aus Kunststoff, das gedämpft ist und an den Fuß des jeweiligen Mitarbeiters individuell angepasst werden kann. Die Mehrkosten je Schuh: 3,- €. Der Effekt: Eine größeres Wohlbefinden ( Mitarbeiterzufriedenheit) und deutlich geringere Krankenstände. Auch bei der Einrichtung neuer Maschinenstraßen ist es sinnvoller, die betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen rechtzeitig einzubeziehen, um Fehlgestaltungen vorzubeugen.

Gerade das ganzheitliche Verständnis von Gesundheitsmanagement macht es praktisch unmöglich, die exakten Kosten dafür festzustellen. Dazu Dr. Mitritzikis: „Sie können nicht exakt abgrenzen, welcher Anteil der Arbeit eines Abteilungs- oder Werksleiters oder eines Betriebsrats zum Gesundheitsmanagement beiträgt.“  Wichtiger als der Blick auf die Kosten ist der auf den Nutzen. Denn Gesundheitsmanagement ist eine lohnende Investition, die sich durch ein Mehr an Leistung und Gesundheit der Beschäftigten auszahlt.

Forum 3 Wissenssicherung
Im dritten Forum ging es um die Frage, wie das Erfahrungswissen einzelner Beschäftigter  im Unternehmen gesichert werden kann. Mit Bettina Jankowski von den Berliner Verkehrsbetrieben BVG und Andreas Scholz-Fleischmann von der Berliner Stadtreinigung BSR  erläuterten zwei Vertreter großer Unternehmen mit jeweils mehreren Standorten und sehr unterschiedlichen Aufgabenbereichen ihr Vorgehen. Dass das keine Aufgabe ist, die nebenbei „mit erledigt“ werden kann, unterstrich Jankowski, die das Projekt der BVG Wissensstafette präsentierte. Über detailliert vorbereitete Experteninterviews stellen die BVG sicher, dass Erfahrungswissen ausscheidender Mitarbeiter für deren Nachfolger erhalten bleibt. Zugleich kann auch die Übermittlung von „unerwünschtem Wissen“, also von Vorgehensweisen, die zu ineffizienten Prozessen führen, verhindert werden.  „Das kostet viel Zeit“ erläutert Jankowski den Aufwand des Projektes, das sich für die BVG allerdings bezahlt macht.

Für die Berliner Stadtreinigung BSR stellte Scholz-Fleischmann das Konzept des BSR Erfahrungszentrums vor. Das besteht aus zwei Teilen. Im Intranet stellen BSR Mitarbeiter vor, nach welchen Prozessen und Vorgehensweisen in ihren Bereichen gearbeitet wird. Um lange Texte zu vermeiden, geschieht dies über Video Podcasts. In kurzen Filmen von 3-5 Minuten beantworten die Beschäftigten verschiedener Bereiche, warum ihre Arbeit wichtig für das Gesamtunternehmen ist. Über die angegebene interne Rufnummer können die Kollegen für weitere Infos kontaktiert werden. Anfänglich zeigten sich viele Beschäftigte „kamerascheu“. Inzwischen ist dieser Bann jedoch gebrochen. Viele machen mit, weil die Darstellung im Intranet als Wertschätzung ihrer Arbeit empfunden wird. Darüber hinaus ist es einfacher, über die eigene Arbeit zu erzählen als darüber zu schreiben.

Die zweite Säule des BSR Erfahrungszentrums verfolgt das Ziel, das Erfahrungswissen von Beschäftigten, die sich für Altersteilzeit nach dem Blockmodell entschieden haben, auch in der Freistellungsphase für das Unternehmen zugänglich zu machen. Das Problem: Zwar dürfen Beschäftigte in der Freistellungsphase hinzuverdienen, aber nicht durch eine Beschäftigung für ihren bisherigen Arbeitgeber.  Die BSR hat dies durch eine Kooperation mit Randstad Deutschland gelöst. Der Personaldienstleister beschäftigt die ehemaligen BSR Kollegen in der Freistellungsphase auf 400,- € Basis und entsendet sie stundenweise zur BSR. Dort können sie durch gezielte Einsätze ihr Erfahrungswissen auch weiterhin einbringen, Einkommen hinzuverdienen und zugleich durch die Abführung von Sozialabgaben ihre künftige Rente aufbessern. Ein Modell, von dem Beschäftigte und BSR profitieren.   

Das nachfolgende Get together ermöglichte noch viele anregende Gespräche und auch der Marktplatz verschiedenster Anbieter rund um das Thema Fachkräftesicherung wurde rege besucht.




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