Ist die gesetzliche Pflegeversicherung angesichts der demographischen Entwicklung zum Scheitern verurteilt?

Ist die gesetzliche Pflegeversicherung angesichts der demographischen Entwicklung zum Scheitern verurteilt?, 21.05.2010


Marcel Basedow ist Mitglied der Geschäftsleitung bei Allianz Pension Partners und Leiter des Arbeitskreises 10 „Zukunftssicherung und Altersvorsorge" des ddn. Im Interview stellt er sich Fragen zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Lesen Sie dazu auch die offenen Brief an Bundesarbeitsministerin von der Leyen des ddn.

Frage 1:
Ist die gesetzliche Pflegeversicherung angesichts der demographischen Entwicklung zum Scheitern verurteilt? Wie ist der Stand der Dinge und was ist zu tun?

Zum Scheitern verurteilt ganz sicher nicht. Allerdings hat die Pflegeversicherung aufgrund der demographischen Entwicklung ein ganz ähnliches Problem wie die gesetzliche Rentenversicherung: Immer weniger Beitragszahler müssen in einem umlagefinanzierten System für immer mehr Leistungsempfänger aufkommen. Außerdem steigt in der Pflege der Kostendruck. Das Gebot der Stunde ist es daher, die Art und Weise der Finanzierung zu ändern: zu mindestens teilweise weg von der Umlagefinanzierung, hin zu verstärkter Kapitaldeckung. Auf diesem Weg könnten wir die Pflegeleistungen von den demographischen Risiken deutlicher abkoppeln und damit zu mehr Risikodiversifizierung beitragen.

Frage 2:
Sie plädieren also für die Einrichtung einer zusätzlichen Pflegeversicherung im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung. Wäre es da nicht einfacher, die Beiträge der bestehenden SPV zu erhöhen, anstatt eine neue Versicherung aus der Taufe zu heben?

Sicher wäre das einfacher, aber eben nicht nachhaltig, da man lediglich die Symptome, nicht aber die Ursache des Problems lösen würde.
ddn plädiert daher dafür, zumindest einen Teil des Pflegerisikos kapitalgedeckt abzusichern. Ob dies in der privaten oder betrieblichen Vorsorge geschieht, ist hierbei zunächst zweitrangig, wenngleich eine Lösung innerhalb der betrieblichen Altersversorgung aufgrund der bereits in vielen Unternehmen etablierten Systemen sicherlich viele Vorteile hat.

Frage 3:
Warum schlagen Sie vor, die Pflegestufe I zur Gänze kapitalgedeckt zu finanzieren? Schließlich fallen sowohl die Aufwendungen als auch die derzeitigen Deckungslücken in den beiden anderen Stufen erheblich stärker ins Gewicht.

Die Pflegestufe I ist mit vergleichsweise überschaubaren Kosten verbunden, welche problemlos privat und kapitalgedeckt abgesichert werden können. Relativ hoch hingegen ist die Wahrscheinlichkeit, ein Pflegefall dieser Stufe zu werden. Dies erklärt auch, dass die Pflegestufe I gegenwärtig ein Drittel des Gesamtbudgets der SPV ausmacht. Mit diesem Vorschlag können wir folglich einen erheblichen Teil der Pflegeleistungen von der demographischen Entwicklung abkoppeln, damit künftige Beitragssteigerungen zumindest im Zaum halten und somit mehr Generationengerechtigkeit erzeugen. Das mit hohen Aufwendungen verbundene, jedoch geringere Risiko der Pflegestufen II und III würde weiterhin von der Gemeinschaft getragen.

Frage 4:
Welche Bedeutung hat dieser politische Vorstoß für ddn?

ddn hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Auswirkungen des demographischen Wandels, insbesondere in den Unternehmen, aktiv zu begegnen um langfristig die Beschäftigungsfähigkeit zu sichern. Hierzu gehören auch die sozialpolitischen Rahmenbedingungen, in denen sich Unternehmen und Mitarbeiter heute bewegen. ddn begreift sich somit als Teil der gesellschaftlichen Diskussion und bringt daher aktiv Vorschläge zum Umgang mit den demographischen Herausforderungen ein.

Das Interview als pdf.

 




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